ZEITmagazin: Herr Feurer, es ist 8.30 Uhr. Wie gefällt Ihnen bislang der Tag?

Hans Feurer: Sehr schön, nur mein Nachbar stört mich etwas, er mäht den Rasen. Morgens habe ich immer noch klare Gedanken, da gibt es noch keine pollution .

ZEITmagazin: Ist das der Grund, warum Sie seit 40 Jahren häufig im Morgenlicht fotografieren?

Feurer: Ich bin berüchtigt dafür, dass man immer mitten in der Nacht aufstehen muss, wenn man mit mir zusammenarbeitet. Aber das Morgenlicht ist golden und weich, wie auch das Abendlicht. Es zeichnet die Gesichter besonders schön. Und ich arbeite nun einmal am liebsten mit natürlichem Licht. Ich finde, die Wirklichkeit ist etwas Magisches.

ZEITmagazin: Sie haben in den sechziger Jahren in London begonnen, haben das deutsche Magazin Twen mit geprägt, 1974 einen legendären Pirelli-Kalender fotografiert. Welches Jahrzehnt war das spannendste?

Feurer: Ganz klar die späten sechziger und die siebziger Jahre. Damals schien alles möglich.

ZEITmagazin: Und heute?

Feurer: Heute haben die Fotografen eine große Angst vor Natürlichkeit. Noch die kleinste Unreinheit wird wegretuschiert. Alle Mädchen haben Marzipanhaut. Man hat gar nicht mehr das Gefühl, dass ein lebendes Wesen fotografiert worden ist. Ich dagegen versuche, die Fahne der Sinnlichkeit hochzuhalten.

ZEITmagazin: Ihre Bilder sind bekannt dafür, dass die Frauen darin eine starke Präsenz haben.

Feurer: Ich liebe Frauen. Wenn ich sie fotografiere, umkreise ich sie, bis ich einen magischen Winkel gefunden habe, um sie abzulichten. Ich benutze immer ein Teleobjektiv, damit ich das Wesentliche hervorheben kann. Ich bin beim Fotografieren Zen-Buddhist. Vielleicht kommt das auch daher, dass ich neben meinem Beruf so oft Fischen gegangen bin.

ZEITmagazin: Sie gerieten dabei sogar in Gefangenschaft.

Feurer: Ja, 1996 in Sierra Leone. Da wurde ich beim Angeln von Rebellen aufgegriffen. Sie hielten mich für einen englischen Spion und wollten mich exekutieren. Also habe ich für sie gejodelt und so lange Schuhplattler getanzt, bis alle sich am Boden gekugelt haben. Danach waren wir beste Kumpels.

Die Fragen stellte Tillmann Prüfer