Der eine, Nicolas Berggruen , trat wie Phönix aus der Asche auf den Plan, als schon fast alles verloren schien. Der andere, Alexander Dibelius, zog bereits längere Zeit im Hintergrund die Fäden . Die größte Pleite in der bundesdeutschen Firmengeschichte brachte die beiden zusammen. Seit Wochen verhandeln sie über die Zukunft der Karstadt-Warenhäuser . Der verbissene Disput macht klar, wie sehr sich das Geschäftsgebaren der beiden Finanzprofis unterscheidet.

Berggruen konnte schnell das Vertrauen der Gewerkschaft ver.di gewinnen, die in diesem Fall ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Er punktete damit, dass er den Mitarbeitern keine weiteren Opfer abverlangte. Damit bewahrt er die Arbeitnehmervertreter vor einem Dilemma. Jedes weitere Zugeständnis im Rahmen der Rettung von Karstadt hätte – zu Recht – auch der Rivale Metro für seine Warenhäuser (Galeria Kaufhof) eingefordert. Andernfalls wäre es zu empfindlichen Wettbewerbsverzerrungen auf dem Markt gekommen.

Ver.di aber konnte und wollte sich und alle Beschäftigten nicht um die Tariferfolge der Vergangenheit bringen. Zudem gilt nach wie vor: Wer im Einzelhandel arbeitet, zählt nicht gerade zu den Spitzenverdienern im Lande.

In dieser vertrackten Situation kam der amerikanische Milliardär Berggruen also gerade recht. Er versprach, statt der Mitarbeiter die Vermieter stärker zur Kasse zu bitten . Deshalb traf er auf Dibelius, der für die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland die Geschäfte führt.

Es begegneten sich zwei Finanzprofis, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Berggruen sieht sich als langfristiger Investor, der schwierige Fälle mag und nicht als Renditejäger gilt. Natürlich will auch er kein Geld verlieren, aber zu seiner Strategie zählt es nicht, kurzfristig Kasse zu machen.

Alexander Dibelius, der die Interessen des Vermieter-Konsortiums vertritt, hat sich als gewiefter Banker einen Namen gemacht – und als Experte für innovative Finanzierungsstrategien. Den gilt es für ihn nun zu wahren.

Als Karstadt 2006 schon einmal in Schwierigkeiten steckte, kaufte Dibelius dem Konzern die Immobilien ab. Und das zu einem Preis, der deutlich höher war als jene Summe, mit denen die Gebäude in den Büchern standen. Der außerordentliche Gewinn hübschte die Bilanz des Kaufhaus-Konzerns auf und kaschierte die eigentlichen Probleme.