Lange Zeit sträubte er sich gegen eine politische Interpretation seiner Filme. Damit ist es spätestens seit Kinatay vorbei, der korrupte Polizisten zeigt, die sich trotz ihrer Tat kaum vor Strafverfolgung fürchten müssen. "Ich definiere mich zwar nicht als politischer Filmemacher, aber was ich mache, ist trotzdem sehr politisch. Ich zeige den Alltag und die Lebensumstände der Menschen. Ich bin kein Ideologe, Aktivist oder Revolutionär. In einem Land wie den Philippinen wäre das zu gefährlich. Man kann sich den Dingen auch indirekt nähern."

So indirekt nun auch wieder nicht. Lola übt offene Kritik an dem versagenden Rechtssystem und den schwachen Institutionen der Philippinen, wo korrupte Polizisten Beweismittel fälschen oder beiseiteschaffen, Staatsanwälte und Richter unter Druck gesetzt oder auch von den Schergen einflussreicher Tatverdächtiger ermordet werden. Die Menschen, die in Armut leben – und das sind auf den Philippinen immerhin 80 Prozent der Bevölkerung –, haben keine andere Wahl, als die Dinge untereinander zu regeln.

Noch schärfer wird Mendozas Gesellschaftskritik in seinem nächsten Spielfilm ausfallen. Thema ist das politisch motivierte Massaker an 57 Zivilisten auf der stark muslimisch geprägten Insel Mindanao im Süden des philippinischen Archipels. "Es ist mein kompliziertestes und kontroversestes Projekt", sagt er. "Es geht nicht nur um Politik, sondern auch um Religion. Um die Kämpfe zwischen Christen und Muslimen auf Mindanao. Was dort geschieht, kann nur als Neokolonialismus beschrieben werden: Die katholischen Filipinos des Nordens unterdrücken die muslimische und indigene Bevölkerung des Südens und beuten sie aus – nicht anders, als es die Spanier jahrhundertelang mit den ganzen Philippinen getan haben." Mendoza will sich mit den Hintergründen des Massakers beschäftigen, bei dem Journalisten, Rechtsvertreter und Wahlbeobachter Opfer der Auseinandersetzung zweier rivalisierender Familienclans wurden. Es ist die besonders brutale Spitze der schon immer blutig verlaufenden philippinischen Wahlkämpfe.

Mendoza wird wieder ans Telefon gerufen. Gerade ist von seinen Gewährsleuten ein konspiratives Treffen mit Frauen von Tätern und Opfern des Massakers anberaumt worden. Am besten könne er unter Druck arbeiten, sagt Mendoza. Dass der Druck bei diesem Filmprojekt von ganz anderer Seite als bisher kommen könnte, ist ihm bewusst. Einschüchtern oder gar von seinem Projekt abbringen lassen will er sich jedoch auf keinen Fall. Zu viel steht auf dem Spiel. Das Thema Mindanao reicht bis in die Eingeweide der Gesellschaft und des politischen Systems der Philippinen. Ab hier wird es gefährlich.