Das erste Mal saß ich Anfang der Neunziger in einem Mazda MX-5. Er gehörte A., einem Bekannten an meiner Schule, der unsere Mädchenclique gerne darin herumfuhr. Der Mazda war lapisblau und rechtsgesteuert (A. hatte ihn extra aus Großbritannien importiert). Wir ließen uns gnädig darin chauffieren, aber insgeheim belächelten wir das eiförmige Gefährt. In der Abi-Zeitung stand später über A.: "Fuhr die schönste rechtsgesteuerte Badewanne im Landkreis." Bewunderung klingt anders.

Auch meine Umgebung fällt nicht gerade vor Ehrfurcht auf die Knie, als ich den MX-5 vorstelle. Meine Freundin Betty sieht ihn nicht einmal. "Wo ist denn jetzt dein Cabrio?", fragt sie mich ungeduldig und blickt die Straße entlang. Ich zeige auf den Mazda, der nur fünf Meter entfernt erwartungsvoll silbrig glänzt. "Ach der da", sagt sie und schweigt ein paar Sekunden zu lang.

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"Na ja, der ist doch ganz..." Ja, was denn? "Nett?"

Eigentlich verdient der MX-5 mehr Applaus. Denn er ist ein Klassiker. 1989 leitete er das Comeback des Roadsters ein und wurde zum meistverkauften Modell seiner Klasse. Doch schon bald zogen die anderen nach: Mercedes kreierte seinen eleganten SLK, BMW den sportlichen Z3 und Porsche den schnittigen Boxster. Und ich muss sagen: Sie alle haben den knubbeligen Japaner im Design weit überholt.

Es ist schon ungerecht. Da schafft Mazda tatsächlich einen Generationensprung im Autodesign, nämlich den Übergang von den snobistischen Achtzigern zu den hedonistischen Neunzigern, und führt den Roadster zu seiner wahren Bestimmung als Spaßauto zurück. Und dann finden ihn die Frauen einfach nicht sexy. Denn darauf läuft letztendlich alles hinaus. In einem Cabrio will ich mich fühlen wie ein Filmstar der sechziger Jahre, mit wehendem Seidenschal im Haar, auf einer Küstenstraße an der Côte d’Azur, mondän und frei.

Der MX-5 hat allerdings einen großen Vorteil: Sein Preis beträgt die Hälfte bis ein Drittel von dem der oben genannten Modelle. Er ist tatsächlich der Porsche der Mittelklasse. Das Problem ist, man sieht es ihm eben auch an. Und für mich sieht der klassische Roadster einfach immer noch aus wie ein Alfa Romeo Spider. In Rot.

Was aus A. geworden ist? Er hat inzwischen geheiratet. Es wird gemunkelt, er habe seine Ehefrau in einem SLK kennengelernt.

Technische Daten:

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 118 kW (160 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h
CO2-Emission: 181 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,6 Liter
Basispreis: 27.490 Euro

Carolin Ströbele ist Redakteurin bei ZEIT ONLINE