Die vergangene Woche hat gleich zwei bildungspolitische Überraschungen gebracht: Rettung für die schon tot geglaubte Universität Lübeck und die Zustimmung der Bundesländer für das nationale Stipendiensystem . Hinter beiden Wendungen steckt Bildungsministerin Annette Schavan und damit der Bund. In einer ebenso komplizierten wie trickreichen Aktion schießt dieser dem klammen Schleswig-Holstein eben jene 25 Millionen jährlich zu, die mit der Abschaffung der Lübecker Medizinerausbildung eingespart werden sollten. Dabei verbietet der Bildungsföderalismus eigentlich solche Eingriffe des Bundes. Auch das bei vielen unpopuläre Stipendienprogramm rettete Schavan, indem sie den Länderanteil der Kosten übernahm. Der Preis: am Ende bis zu 80 Millionen Euro pro Jahr.

Zwei Überraschungen, zwei gute Taten? Nein, die Hauruck-Aktionen sind höchst gefährlich: Die Ministerpräsidenten lernen, dass die Bundesregierung erpressbar ist, sobald Sparexzesse bei der Bildung drohen. Entsprechend pokern sie auch schon bei der Bafög-Erhöhung im Bundesrat.

Einmal ganz abgesehen von dem fatalen Signal, dass Stipendien für eine Minderheit durchgewunken werden, der Masse aber mehr Bafög verweigert wird: Die Absurdität des Bildungsföderalismus ist entlarvend. Die Länder kapitulieren vor der Finanzierung ihrer Aufgaben, und der Bund denkt sich Tricks aus, um bei der Bildung mitzumischen – eine Verfassungskorrektur ist überfällig.