DIE ZEIT: Die Ferien beginnen, mit ihnen die Zeit der langen Staus. Sind sie unausweichlich?

Michael Schreckenberg: Vermutlich ja. Es sind einfach zu viele Menschen zur gleichen Zeit auf der gleichen Strecke in die gleiche Richtung unterwegs. Zu 60 bis 70 Prozent ist Überlastung der Grund für Staus. Der Rest sind Baustellen, Unfälle und widrige Wetterbedingungen.

ZEIT: Wie fängt ein Stau genau an?

Schreckenberg: An Stellen, wo der Verkehr dichter wird, verlangsamen sich die Fahrzeuge, auf 10 bis 30 Kilometer pro Stunde. Das nennen wir zäh fließenden Verkehr. Wenn dann einer stehen bleibt, entsteht eine Stauwelle, die sich mit etwa 15 Kilometer pro Stunde nach hinten wegbewegt. Die Welle kann sich eine Stunde erhalten und kommt mir dann irgendwo entgegen, wo ich nicht damit rechne. Das ist der sogenannte Stau aus dem Nichts, die häufigste Form des Staus.

ZEIT: Auch 700 Baustellen auf Deutschlands Autobahnen von mehr als einer Woche Dauer werden dieses Jahr viele Staus verursachen. Was ist das Schlimmste, was einem Autofahrer im Stau passieren kann?

Schreckenberg: Das Schlimmste sind Unfälle am Stauende, wenn ein Lkw reinfährt. Ein Stau verursacht aber auch psychische Probleme. Sie können Ihr Auto nicht einfach stehen lassen, das heißt, Sie sind auf unbestimmte Zeit in einem Stau gefangen. Das macht viele Leute aggressiv. Bei den Temperaturen jetzt ist es höllisch, auf der Autobahn zu stehen, womöglich mit Kindern. Ihre Wut lassen viele Autofahrer dann beim Tanken an den Tankwarten aus. Auch Bauarbeiter erleben so etwas, sie werden von Fahrern manchmal verbal wüst angegriffen und mit Flaschen aus fahrenden Autos beworfen.

ZEIT: Gibt es Tipps, wie man Staus umgehen oder erahnen kann?

Schreckenberg: Das Wichtigste ist, sich vorher zu informieren, die Verkehrslage im Auge zu behalten. Außerdem sollte man genügend zusätzliche Zeit einplanen, eventuell eine ganz andere Route nehmen. Wenn man schon auf einen Stau zurollt, sollte man auf der Autobahn bleiben. Über Landstraße zu fahren lohnt sich meistens nicht, es sei denn, es ist eine Vollsperrung.