Ein Fischrestaurant in einem Gässchen in Wyk. Abendsonne, alle Tische draußen sind besetzt. Eine junge Mutter kommt mit ihrem Kleinkind von der Toilette und ruft in die Runde: "Die haben einen Wickeltisch und Pampers in allen Größen!" Ihr Lob teilt sie gleich der Bedienung mit. Diese sagt: "Haben jetzt viele. Das ging ja nun gar nicht mehr – die Leute haben auf den Tischen Windeln gewechselt, während nebenan gegessen wurde!"

Friesisch herb und kinderfreundlich – das ist Föhr . Das mehr als achtzig Quadratkilometer große Eiland südöstlich von Sylt ist außerhalb der Saison ein betuliches Ferienziel für Senioren aller Fitnessklassen. Doch im Juli und August ist hier Kinderland . 25000 Kinder über drei Jahren (die jüngeren werden statistisch nicht erfasst) zählt die Föhr Tourismus GmbH im Jahr; auf diese warten nicht weniger als 600 eigens konzipierte Veranstaltungen. Piratenfahrt, Streichelstunde auf dem Bauernhof, Schnupperkurs Windsurfen, Zaubern wie Harry Potter. Früher einmal reichte den Kindern ja baden und Sandburgen bauen. Vorbei!

In diesem Jahr kommt als jüngste Föhrer Kinderattraktion eine Kinder-Uni hinzu. Andernorts gibt es sie seit vielen Jahren. In Oldenburg, Aachen, Bonn und anderswo laufen Kinder-Unis mit großem Erfolg, auch Föhrs Nachbarinsel Sylt hat eine.

Strandpromenade Wyk, Kurgartensaal. Schweres Tuch vor den Fenstern, feierliches Dämmerlicht. Auf der Bühne der Referent, er ragt ein wenig über sein Pult mit den beiden Mikrofonen hinaus. In gebührendem Abstand, unten im Zuschauerraum, sitzen etwa zwei Dutzend Studenten zwischen 8 und 14 Jahren, vorbildlich leise, gespannt. Zwischen den Sitzreihen ist eine Kamera montiert. Die Bilder werden nach draußen übertragen, für interessierte Eltern. Große dürfen hier nämlich nicht rein.

Versunken im Schlick – Kulturspuren im nordfriesischen Wattenmeer lautet der Titel der Auftaktveranstaltung der Föhrer Kinder-Uni. So steht es auf der ersten Folie der PowerPoint-Präsentation, darunter liest man "Dr. Martin Segschneider, Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein". Der spricht heute zum ersten Mal vor Kindern. Er selbst hat keine. Doch er hat eine Ahnung, wie man Kinder anspricht: "Hallo. Ich bin euer Professor. Was ist ein Archäologe? Ein Archäologe buddelt."

Der Archäologe hält nun eine veritable Vorlesung. Folie um Folie folgt, Knochen wurden gefunden, Feuersteine, gläserne Ringe, Mittelalterbäume, eine römische Münze. Herr Segschneider bleibt hinter dem Pult verschanzt, bedient den Laserpointer routiniert und trägt Wissenswertes vor, zum Beispiel, dass man vor 10000 Jahren noch trockenen Fußes nach England wandern konnte, weil der Meeresspiegel 100 Meter tiefer lag. Gelegentlich fällt ihm auf, dass ein Diagramm schwer verständlich ist, dann sagt er, das sei zu kompliziert, man müsse es nicht verstehen.