Die ganz große Pleitewelle ist zum Glück ausgeblieben. 32.687 Unternehmen haben im vergangenen Jahr Insolvenz angemeldet , erwartet worden waren 35.000 Pleiten. Gemessen an der Tiefe des wirtschaftlichen Einbruchs blieb die Zahl der Firmenzusammenbrüche erfreulich niedrig. Viele Unternehmen konnten sich Luft dadurch verschaffen, dass sie ihre Mitarbeiter über längere Zeit kurzarbeiten ließen.

Zu denen, die nicht über die Runden kamen, zählen Traditionsfirmen wie Schiesser, Märklin und Rosenthal. Die größte und spektakulärste Pleite war die von Arcandor . Das unterschiedliche Schicksal zweier Tochterunternehmen dieses Konzerns zeigt, dass die Insolvenz eines Unternehmens wie eine Weggabelung ist: Während Quelle abgewickelt wurde, erhält Karstadt wohl eine zweite Chance . Ein neuer Eigentümer will das Unternehmen – von Schulden befreit – fortführen.

Ein Neustart gescheiterter Unternehmen ist in Deutschland bislang die Ausnahme. Im Regelfall werden Pleitefirmen dichtgemacht. Die Arbeitnehmer verlieren ihre Jobs und die Gläubiger den allergrößten Teil ihres Geldes. Der Einzige, der von solchen Pleiten profitiert, ist der Insolvenzverwalter .

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat sich vorgenommen, das zu ändern. Die Liberale hat einen Gesetzentwurf zur Diskussion gestellt, der aufzeigt, wie sie das Insolvenzrecht in vielen Details reformieren will, um mehr Unternehmen als bisher zu sanieren statt zu liquidieren. Bisher gehen nur zwei Prozent aller zahlungsunfähigen Firmen den Weg über eine Plansanierung. Dabei könnten eigentlich viel mehr gerettet werden.

In einem Insolvenzverfahren können Betriebe ja problemloser saniert werden als unter normalen Bedingungen. Ein guter Insolvenzverwalter kann das Unternehmen auf seinen gesunden Kern verkleinern und es anschließend, von Altlasten befreit, an einen neuen Investor verkaufen. Er kann dabei sämtliche Verträge mit Vermietern, Lieferanten und anderen Dienstleistern kündigen und sich die Personalkosten bis zu drei Monate lang von der Bundesarbeitsagentur abnehmen lassen. Im Grunde sind das ideale Bedingungen für einen Neustart.

Dass trotzdem nur so wenige Unternehmen ein Leben nach der Pleite haben, hat mehrere Gründe. Einer ist, dass die Geschäftsführer oder Inhaber den Insolvenzantrag so lange hinauszögern, bis auch das letzte Vermögen, das noch in der Firma steckte, verbraucht ist. In einem solchen Fall ist meist wirklich nichts mehr zu retten.

Wenn künftig mehr Unternehmen als bisher saniert werden sollen, darf die Insolvenz nicht mehr als Stigma gelten, sondern muss als Chance für einen Neuanfang begriffen werden. Deshalb ist es gut, dass die Justizministerin es gesetzlich erleichtern will, dass Unternehmen öfter als in der Vergangenheit in Eigenverwaltung das Insolvenzverfahren durchlaufen. Das alte Management bleibt dabei am Ruder, allerdings unter Aufsicht eines vom Gericht bestellten Insolvenzverwalters.