DIE ZEIT: Baron de Rothschild, verdienen Sie immer noch gern Geld?

Eric de Rothschild: Sie könnten mich auch fragen, ob ich gern guten Wein produziere. Natürlich tue ich das.

ZEIT: Sie machen weiterhin Geld aus Geld?

De Rothschild: Ja. Sie können Geld mit Geld verdienen oder mit Ideen, mit einem Buch oder indem Sie Land kaufen oder Wein herstellen. Was soll daran schlecht sein? Bei Rothschild spekulieren wir nicht, und wenn, dann nur im Auftrag unserer Kunden. Wir bieten vielmehr Dienstleistungen im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung an. Beides erfordert eine enorm hohe Beratungskompetenz. Dafür erhalten wir eine Kommission.

ZEIT: Würden Sie also sagen, Ihre Bank werde in Sippenhaft mit der Hochfinanz genommen?

De Rothschild: Ich habe eher das Gefühl, dass die Politik nach Sündenböcken sucht und die Banken und andere Finanzakteure dafür herhalten müssen.

ZEIT: Wie bitte?

De Rothschild: Man darf nicht vergessen, dass am Ursprung der ganzen Immobilienkrise in Amerika die Vorgabe der US-Regierung stand, weniger vermögenden Bürgerinnen und Bürgern in Amerika ein Eigenheim zu ermöglichen.

ZEIT:Präsident Obamas Bemühen, die Banken künftig strenger zu kontrollieren, ist also ein Mittel, die Schuld auf andere zu schieben?

De Rothschild: Sicherlich hat er eine redliche Absicht. Doch ich bezweifle, ob es der einzig richtige Weg ist, die Banken härter an die Kandare zu nehmen. Vielleicht würde es auch schon genügen, gewisse Finanztransaktionen einzuschränken, wie den Handel mit Kreditversicherungen, den Credit Default Swaps. Wer mit so etwas handelt, spekuliert bloß auf die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anleihen und anderen Wertschriften. Wahrscheinlich müsste bei einigen Geschäften auch mehr Kapital hinterlegt werden. Man könnte aber auch zurückgehen zur altmodischen Partnerstruktur im Investmentbanking, in der die Partner mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Wir hatten das in unserer Bank in Paris, und ich kann Ihnen sagen, das hatte einen großen Einfluss bei allen Entscheidungen.

ZEIT: Auch damals verdiente man Geld mit den Verlusten anderer.

De Rothschild: An der Börse ist es immer so, dass einer kauft und einer verkauft; der eine verdient, der andere verliert. Das Verbot von Credit Default Swaps würde aber sicher einiges bewirken.

ZEIT: Haben Banker eigentlich eine Moral?

De Rothschild: Die Frage ist falsch. Wenn es Ihr Job ist, mit Aktien zu handeln, dann hat das nichts mit Moral zu tun. Das ist eine Tätigkeit wie jede andere. Menschen verdienen sich damit ihren Lebensunterhalt. Und Banker tragen mit ihrer Arbeit, sofern sie sich an die Gesetze halten, zur wirtschaftlichen Entwicklung bei. Wenn es der Wirtschaft nützt, wie kann es dann unmoralisch sein?

ZEIT: Gibt es einen triftigen Grund dafür, dass Banker besonders viel verdienen?

De Rothschild: Die Wertschöpfung in der Finanzwelt ist einfach größer als in anderen Branchen.

ZEIT: Hatten Sie persönlich nie den Eindruck, Sie würden zu viel verdienen?

De Rothschild: Nein. Wenn Sie wirklich in der obersten Liga mitmischen, ist der Wettbewerb so hart, dass Sie sich das nie fragen. Um ein Mandat wird zumeist so heftig gekämpft, das können Sie sich kaum vorstellen. Plötzlich müssen Sie Hals über Kopf nach Tokyo reisen, oder Sie arbeiten drei Wochen lang rund um die Uhr. Selbst den Geburtstag Ihrer Frau müssen Sie ignorieren. Man muss immer bestens vorbereitet sein und die Argumente kennen. Man darf nie und nimmer einen schlechten Eindruck machen.