Da sitzt sie, die Unternehmerin. Schaut skeptisch. Lächelt angestrengt. Sie ist umgeben von gut gekleideten Herren, die es sich auf schwarzen Ledersofas bequem gemacht haben. Die schlanke Frau beugt sich in die Runde vor, stützt wenig damenhaft einen Ellbogen auf dem Oberschenkel ab und beginnt zu sprechen. Die Männer aus der Modebranche machen sich Notizen. Die Worte dieser Frau haben Gewicht. Es geht um Trends und Kooperationen bei dieser Besprechung in der Ahlers-Lounge auf der Modemesse cpd in Düsseldorf.

Stella Ahlers gibt den Ton an. Die 45-Jährige ist seit fünf Jahren Vorstandsvorsitzende der Ahlers AG, eines der "erfolgreichsten europäischen Männermodemacher", wie sie sagt. Männermodemacher ist ein sperriges Wort. So wie Kostensenkungsprogramm oder Restrukturierungsmaßnahme. Aber Stella Ahlers will das so. Es sind ihre kühlen Alltagsvokabeln, ihr Schutzpanzer. Außerdem: Männermodemacher klinge doch immerhin besser als Herrenbekleidungshersteller, sagt sie.

In der Messehalle 29, in der der Rüstungskonzern Rheinmetall einst schweres Geschütz fabrizierte, präsentiert die Modebranche ihre Kollektionen. Viele der Aussteller kommen aus Ostwestfalen: Gerry Weber aus Halle, Seidensticker aus Bielefeld. In der kleinen Stadt Herford sitzen gleich drei: Leineweber (Brax), Brinkmann (bugatti) und die Ahlers AG.

Wenn es um die Präsentation der Mode geht, ist Ostwestfalen zu blass. Die Region steht für die unspektakuläre Seite des Geschäfts, für Muster, Schnitte, Strategien. Düsseldorf hingegen ist das Schaufenster, steht für Pomp und Glamour.

Stella Ahlers ist eindeutig mehr Ostwestfalen als Düsseldorf. Sie wolle nicht auffallen, sagt sie. Sie tut es allerdings doch, denn sie ist eine der wenigen einflussreichen Frauen in dieser ziemlich gockelhaften Branche.

Auf der Messe lässt sich beobachten, dass sie sich bei schillernden Events nicht sonderlich wohlfühlt. Nach dem Gespräch in der Lounge begibt sie sich zum Tresen. Sie muss nun Smalltalk machen, mit potenziellen Einkäufern ihrer Mode und mit Branchenexperten. Das ist nicht ihre Paradedisziplin. Sie zupft mehrmals ihren grauen Rock zurecht, fährt sich durchs Haar. Zwischendurch geht Stella Ahlers eine rauchen. Es ist ein Laster, das sie mit ihrem Vater gemeinsam hat.

Von ihm hat sie die Firma übernommen, sie kam nicht daran vorbei, sie war ein Einzelkind. Nachdem sie einige Versuche unternommen hatte, auszubrechen, wog im Juli 2005 das Wort des als patriarchalisch beschriebenen Vaters schwerer als alle Neigungen der Tochter.

Stella Ahlers hatte Theologie und Jura studiert, am Lehrstuhl für Kirchenrecht und Staatskirchenrecht der Universität Luzern wurde sie promoviert. Das Thema der Dissertation: Gleichstellung der Frau in Staat und Kirche – ein problematisches Spannungsverhältnis.