Dass der Staat von seinen Bürgern Steuern verlangt, hat auch damit zu tun, dass er ihr Verhalten steuern will. Die Hundesteuer zum Beispiel soll Menschen dazu bewegen, nicht zu viele Hunde zu halten. Deswegen ist die Hundesteuer in der Stadt (wenig Platz) höher als auf dem Land (viel Platz). Wer einen Kampfhund besitzt (eher gefährlich), muss für ihn mehr Steuern zahlen als für einen anderen Hund (eher ungefährlich). Und wer zwei oder drei Hunde besitzt, zahlt nicht etwa den zwei- oder dreifachen Betrag, sondern häufig noch mehr, weil der Staat ja erreichen will, dass sich ein Hundebesitzer sehr genau überlegt, ob er sich noch einen weiteren Hund anschaffen will oder nicht.

Viele Leute glauben, dass der Staat das Geld, das er als Steuern einnimmt, für einen bestimmten Zweck verwendet. Aber das ist falsch. Die Einnahmen aus der Hundesteuer etwa dienen nicht dazu, die Bürgersteige vom Hundekot zu reinigen. Das ist der Unterschied zwischen Steuern und Abgaben: Durch Steuern nimmt der Staat Geld ein, um etwas zu erreichen. Durch Abgaben lässt er sich von seinen Bürgern eine bestimmte Gegenleistung bezahlen – etwa die Müllabfuhr.

Die höchsten Einnahmen hat der Staat aus der Einkommensteuer, also aus dem, was die Menschen von ihrem Lohn (wenn sie angestellt sind) oder ihrem Einkommen (wenn sie selbstständig sind) abgeben müssen. Dass der Staat auf die Arbeit seiner Bürger eine Steuer erhebt, heißt aber nicht, dass er sie dazu bringen will, weniger zu arbeiten. Das ist der Unterschied zwischen einer Lenkungssteuer (wie es die Hundesteuer oder die Tabaksteuer ist) und einer Steuer, die darauf zielt, dass der Staat viele Einnahmen hat. Von irgendetwas muss dieser Staat ja seine Ausgaben bezahlen.

Weil der Staat sehr viele Ausgaben hat – zum Beispiel für Schulen, Straßen, Krankenhäuser und die Armee –, ist er daran interessiert, dass sehr viele Leute Steuern zahlen. Welchen Anteil man zahlen muss, hängt dabei von der Höhe des Einkommens ab. Wer viel verdient, muss einen höheren Anteil abgeben als jemand, der wenig verdient. Das nennt man Progression. Im Vergleich zu anderen Ländern ist die Einkommensteuer in Deutschland nicht besonders hoch. Dass viele Bürger dennoch das Gefühl haben, zu viel abgeben zu müssen, liegt daran, dass sie zu den Steuern die Abgaben dazurechnen, die der Staat erhebt. Wenn man vergleichen will, wie viel die Bürger in verschiedenen Ländern an den Staat zahlen müssen, zählt man deswegen meist beides – Steuern und Abgaben – zusammen. Bei diesem Vergleich liegt Deutschland eher im oberen Bereich.

Neben der Einkommensteuer die meisten Einnahmen hat der Staat aus der Mehrwertsteuer, die immer dann anfällt, wenn ein Unternehmer etwas unternimmt – also von seinem Lieferanten eine Ware kauft oder einem Kunden etwas verkauft. Das deutsche Mehrwertsteuersystem ist kompliziert, weil es sehr viele Ausnahmeregeln gibt, die nur schwer zu erklären sind. Etwa beim Essen: Wenn ein Metzger in seinem Laden eine Wurst verkauft, die der Käufer gleich im Laden isst, dann bekommt der Staat vom Verkaufspreis der Wurst einen Anteil von 19 Prozent. Wenn der Käufer die Wurst aber mit nach Hause nimmt, bekommt der Staat vom Verkaufspreis nur 7 Prozent – obwohl der Wurstpreis in beiden Fällen gleich hoch ist.

So richtig gern zahlt wahrscheinlich niemand Steuern, zumal es für die Bürger kaum zu durchschauen ist, was der Staat mit den Steuereinnahmen macht. Der Staat besteuert auch die Zinsen, die die Bürger von der Bank bekommen, wenn sie dort Geld angelegt haben – deswegen verheimlichen einige, auf welcher Bank ihr Geld liegt und wie groß ihr Vermögen ist. In Deutschland hat die Regierung daher beschlossen, dass sich der Staat seinen Anteil an den Kapitalerträgen der Bürger nicht mehr bei den Bürgern holt, sondern direkt bei der Bank. Das ist die Abgeltungsteuer. Ob dadurch alle vermögenden Bürger Steuern zahlen, ist nicht sicher. Es ist eine Wette des Staates auf die Ehrlichkeit der Bürger – und noch ist nicht klar, wer gewinnt.