Früher galt die Faustregel: Der Mensch braucht acht Stunden Schlaf, weniger ist ungesund. Aber in den letzten zehn Jahren mehren sich die Zeichen, dass zu viel Schlaf eventuell auch nicht gut sein könnte.

In einigen Ländern wurden große statistische Mortalitätsstudien gemacht. Mortalität gibt an, welcher Prozentsatz einer Bevölkerungsgruppe innerhalb eines Jahres stirbt. Mithilfe dieser Analyse kann man einzelne Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol oder schlechte Ernährung identifizieren.

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Im Jahr 2002 werteten Forscher von der University of California in San Diego im Rahmen einer Krebsstudie mit über einer Million Teilnehmern die Mortalität im Verhältnis zur Schlafdauer aus. Das erwartbare Ergebnis: Menschen, die weniger als vier Stunden pro Nacht schlafen, haben eine erhöhte Todesrate.

Verblüffenderweise galt das aber auch für Langschläfer, die mehr als acht Stunden im Bett verbrachten. Ähnliche Ergebnisse brachten Studien in Finnland, Japan und Deutschland. Andere Forscher ermittelten ein höheres Schlaganfallrisiko für Langschläfer. Als "gesündeste" Schlafzeit ermittelten alle Studien sechs bis sieben Stunden.

Soll man sich nun stets einen Wecker stellen, um Risiken vorzubeugen? Das würde zu weit gehen. Denn keiner der Forscher glaubt, dass der lange Schlaf wirklich die Ursache für die erhöhte Mortalität ist. Es handelt sich ja um eine reine Korrelation, die eine bislang verborgene Ursache haben könnte. Zum Beispiel die, dass schwer kranke Menschen besonders lange schlafen – das würde die Mortalität der Langschläfer nach oben treiben. Die Zahlen sind zwar eindeutig, aber die Ursache liegt noch im Dunkeln. 

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