In einem klimatisierten, abgedunkelten Raum am Rand von Houston/Texas, den sie war room, Kriegszentrale, nennen, schöpfen einige Hundert Ingenieure des Ölkonzerns BP derzeit Hoffnung. Auf Bildschirmen verfolgen sie, wie knapp 800 Kilometer weiter östlich tief unten im Golf von Mexiko eine neue, wesentlich wirksamere Auffangglocke montiert wird . Etwa Mitte August wollen sie das gigantische Ölleck mit Hilfe von Entlastungsbohrungen ganz verschließen, die Arbeiten kommen gut voran. Nicht nur BP, alle Ölunternehmen bauen auf den Erfolg, damit sie auch in Zukunft noch schwarzes Gold aus dem Meer fördern können.

In einem klimatisierten Kongressraum, den sie ebenfalls war room nennen, sagen zur selben Zeit drei Abgeordnete und neun Vertreter von Umweltschutzorganisationen dieser Tiefseebohrung den Kampf an. Sie zeigen Bilder von Demonstranten, die im ölverschmutzten Sand singen: "Sag mir, wo die Strände sind…" Sie fordern: Keine Ölbohrungen mehr vor den Küsten!

Natur-, Tier- und Umweltschützer setzen damit ein lang ersehntes Zeichen der Gemeinsamkeit, doch noch immer stehen längst nicht alle Verbände hinter dieser Forderung. Ein absoluter Bohrstopp sei wirklichkeitsfremd, sagt etwa der Meeresforscher Michael Gravitz von der Organisation Environment America in Übereinstimmung mit den jüngsten Urteilen der Gerichte. Als Barack Obama einen Monat vor der Explosion der Deepwater Horizon die Ausweitung von Tiefseebohrungen verkündete, in der Hoffnung, damit einige Republikaner für sein Klimaschutzgesetz gewinnen zu können , unterstützten Umweltverbände diese Politik.

Kürzlich wurde bekannt, dass BP dem Verein Nature Conservancy Geld spendet und sich mit ihm für ein Dschungelprojekt in Bolivien einsetzt. Jetzt werfen Gegner dem Verband vor, er sei einen Pakt mit dem Teufel eingegangen. Conservancy-Chef Mark Tercek schoss zurück: Wer die Umwelt bewahren wolle, "muss diese Unternehmen einspannen, damit sie nicht nur ein Teil des Problems sind, sondern auch ein Teil der Lösung". Doch wo ist die Grenze der Glaubwürdigkeit?

Nur in zwei Punkten sind sich Umwelt- und Tierschützer einig: Ein absolutes Bohrverbot befürworten sie überall dort, wo Obama Ausnahmen zulassen wollte. Zudem wollen auch sie einen einstweiligen Stopp für weitere Probebohrungen, bis man mehr über das Unglück, überhaupt über die Bedingungen der Tiefsee weiß. Die Unkenntnis der Ölkonzerne und Genehmigungsbeamten sei "monströs", ärgert sich im war room ein Kongressabgeordneter. Umweltschützer Michael Gravitz klagt, man kenne die Oberfläche des Mondes weit besser als den Meeresboden. Tatsächlich erhält die Raumfahrt viel mehr Geld als die Tiefseeforschung.