DIE ZEIT:Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko gilt in den USA als nationale Angelegenheit, die man selbst regeln will. Hat sie nicht längst eine weltweite Dimension?

Klaus Töpfer: Ich finde den Begriff Katastrophe zu schwach. Dies ist ein Fanal, ein folgenschweres Drama von globaler Bedeutung, wenn man an alle Tiefseebohrungen in Nord- und Südamerika, Afrika, Europa und anderswo denkt. Wir müssen daraus Lehren ziehen.

ZEIT: Welche?

Töpfer: Erstens alles zu tun, um rascher wegzukommen vom Öl. Zweitens muss es der Weltgemeinschaft die Augen öffnen, dass die Zeiten billigen Öls vorbei und die Förderrisiken stark gestiegen sind. Sie werden weiter steigen, auch in der Arktis.

ZEIT: Die wird man in Kauf nehmen, Interessen einzelner Nationen und Konzerne wiegen offenbar schwerer .

Töpfer: Das muss Ansporn sein, die Risiken international verbindlich einzugrenzen. Das sollten die Vereinten Nationen in einer Konvention anstreben. Auch nach Tschernobyl wurde eine Konvention zur Sicherheit von Kernkraftwerken erarbeitet.

ZEIT: Die USA haben nicht einmal die UN-Seerechtskonvention ratifiziert. Obama wollte dem BP-Chef "in den Arsch treten", brauchte nicht er selbst einen Kick ?

Töpfer: Die USA tun sich traditionell schwer, internationales Recht anzuerkennen. Sie haben ja auch beim Kyoto-Protokoll nicht mitgespielt oder die Konvention über die Biodiversität CBD nicht ratifiziert.

ZEIT: Und Brasilien will seine üppigen Tiefseeölfelder erschließen. Also alles vergeblich?

Töpfer: Nein. Brasilien sollte im eigenen Interesse eine Risikoanalyse unabhängiger, internationaler Experten beauftragen und respektieren. Die Weltgemeinschaft ist bei Klima- oder Biodiversitätsfragen auch ohne die USA vorangegangen, obwohl wir sie gerne vorne dabei hätten. Globale Dramen können auch die internationale Kooperationsbereitschaft fördern.

Die Fragen stellte Hans Schuh