DIE ZEIT: Herr Kurmis, Sie fahren mit Ihrem Surfbrett oft in die Alpen, zu Flüssen und einsamen Seen. Was treibt Sie als Wellenreiter in die Berge?

Carsten Kurmis: Früher bin ich monatelang in der Welt rumgesurft. Heute habe ich Familie und komme nur noch selten ans Meer. Ich dachte mir: Warum nicht zwischendrin woanders surfen? Die Alpen sind bei mir in München ja quasi vor der Haustür.

ZEIT: Aber es gibt dort keine Wellen. Ist das nicht langweilig?

Kurmis: In reißenden Bergflüssen finde ich schon mal kleine Wellen, die ich abreiten kann. Das macht auch viel Spaß, und auf solchen Flüssen bekomme ich richtig Tempo. Ich habe aber auch immer ein großes Paddel dabei. Sonst käme ich oft nicht vom Fleck. Für meine jüngeren Surfkollegen ist das ein Oma-Sport. Zu unspektakulär.

ZEIT: Wie reagieren Wanderer, wenn Sie an ihnen vorbeifahren?

Kurmis: Die schauen meist sehr überrascht und lachen. Manche rufen rüber: "Darf ich ’ne Runde mitpaddeln"? Einer sagte mal: "Wenn Sie Hawaii suchen, sind Sie hier falsch."

ZEIT: Und was zieht man an als Alpensurfer?

Kurmis: Am besten Badehose oder Shorts.

ZEIT: Weil man öfter ins Wasser fällt?

Kurmis: Das kann schon mal passieren, gerade Anfängern. Man braucht einen guten Gleichgewichtssinn. Es hilft, wenn man ein spezielles Surfbrett nimmt. Ich selbst surfe in den Alpen auf einem Stand-up-Paddle-Board. Das ist fast doppelt so groß wie ein normales Surfbrett und ähnelt einem Kanu. Nur dass man sich nicht reinsetzen kann, sondern darauf stehen muss.

ZEIT: Wie kamen Sie denn an ein so großes Board?

Kurmis: Ich habe es das erste Mal bei einem normalen Surftrip auf Maui gesehen. Ich lag auf meinem Brett und wartete auf die nächste Welle. Da paddelte plötzlich Laird Hamilton, eine Surflegende aus Hawaii, an mir vorbei auf einem dieser riesigen Boards. An diese Bretter habe ich mich erinnert, als ich mich entschied, in den Alpen zu surfen. Über einen Freund kannte ich einen Mann, der in Montreal seit ein paar Jahren Stand-up-Paddle-Boards baut. Über ihn bekam ich meine ersten Bretter.

ZEIT: Was ist so faszinierend am Alpenpaddeln?