Es waren ungewohnte Töne aus dem Munde eines Kassenwarts. Und sie fielen bei einem außergewöhnlichen Besuch auf einem Campus. Wissenschaft und Forschung seien die "entscheidenden Faktoren für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes", schwärmte Baden-Württembergs Finanzminister Willi Stächele vergangene Woche, als er die Duale Hochschule Ravensburg besuchte. Und weil er so begeistert war von dem, was er da sah, versprach er laut Schwäbischer Zeitung auch gleich noch, dass auch künftig die Millionen fließen werden.

Weiter nördlich, von Schleswig-Holstein über Hessen bis neuerdings hinüber nach Brandenburg, werden die Universitäten Opfer fieser Kürzungen, im Südwesten dagegen können sie auf Streicheleinheiten hoffen?

Schön wär’s. Vorerst bleibt es wohl auch in Baden-Württemberg dabei, dass die Wahl zwischen Wohltat und Wehe für die Hochschulen von der nächsten Steuerschätzung abhängt.

Was sich von den Ravensburgern dennoch lernen lässt: Anstatt ständig die längst überzeugten, doch oftmals ohnmächtigen Wissenschaftsminister einzuladen, gilt es, die wirklich mächtigen Finanzminister so lange zu bearbeiten, bis sie auch mal vorbeischauen. Denn nur wer aus erster Hand weiß, welche hervorragende Arbeit viele Studenten, Forscher und Professoren leisten, dem wird es schwerer fallen, morgen ausgerechnet bei der Bildung den Rotstift anzusetzen.