Natürlich halten sie sich für geile Macker", sagt Brigadegeneral Hans-Christoph Ammon, Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr in Calw, über seine Männer. "Und obwohl ich normalerweise heroische Begriffe meide – sie gehören tatsächlich zu den Besten der Besten, es ist richtig, sie als Elite zu bezeichnen."

Fünf Mitglieder dieser Elite treffe ich zum Gespräch in der Calwer Graf-Zeppelin-Kaserne. Keiner von ihnen trägt die übliche Skimütze, mit der KSK-Soldaten normalerweise bei den seltenen Interviews oder bei Übungen ihre Identität schützen. Alle stellen sich mit Klarnamen vor. Das ist ein großer Vertrauensbeweis. Der Pressesprecher schreibt mit Kugelschreiber "Verschlusssache – geheim" auf den Merkzettel zum Sitzplan. Das ist nur bedingt witzig gemeint. Wenn nicht vertrauliche Militärdokumente durch Geheimnisverrat an die Öffentlichkeit gelangen, wie es gerade bei den Amerikanern passiert ist (siehe Seite 4), sind Identität und Auftrag der Spezialkämpfer für die Berichterstattung weitgehend tabu.

Die "geilen Macker", die mir hier gegenübersitzen, könnten so etwas wie das politische Rollenvorbild einer radikal verkleinerten, ausschließlich einsatzorientierten Profiarmee werden. Denn es ist ja nicht nur so, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in diesen Sommerwochen Sparszenarien für eine Truppenreduzierung um bis zu 40.000 Zeit- und Berufssoldaten und für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht (minus 60.000 Soldaten) durchrechnen ließe. In Interviews, wie zuletzt mit der Süddeutschen Zeitung, verweist der Minister auch immer wieder auf die wichtige Rolle, die Nachrichtendienste und Spezialkräfte als Nachsorgeelemente in Afghanistan spielen könnten. Der Vorteil für die Bundesregierung wäre auf jeden Fall, dass beide Institutionen auftragsgemäß im Verborgenen operieren: die Geheimagenten wie auch die Geheimsoldaten. Die amerikanischen Verbündeten setzen darüber hinaus noch geheime Drohnen ein, zur Aufklärung und "Wirkung" gegen terroristische Ziele, wie es heißt – und in den jüngst öffentlich gewordenen Dokumenten reichlich nachzulesen ist.

Es ist bekannt, dass Guttenberg die Strukturen der "Restbundeswehr" (so nennen manche der 1000 KSK-Angehörigen gern scherzhaft ihre 249.000 weniger speziellen Kameraden) nicht flexibel und effizient genug erscheinen. Das sieht man hier, am Standort der Avantgarde, natürlich ähnlich. Und deshalb ist die ohnehin erhebliche Guttenberg-Verehrung, die in der gesamten Bundeswehr anzutreffen ist, in Calw noch einmal intensiviert: Hier hoffen viele, dass er die veraltete Armee so richtig umkrempeln werde. Im Stile der Spezialkräfte?

Das KSK hat es nicht immer leicht mit der demokratischen Öffentlichkeit. Kommandosoldaten mussten sich in jüngster Vergangenheit gleich vor zwei Untersuchungsausschüssen des Bundestages rechtfertigen. Immer wieder wird der Verdacht geäußert, KSK-Leute könnten in Einsätzen ihre Kompetenzen überschreiten; immer wieder wird (auch aus der Restbundeswehr) die Frage laut, wer die Spezialkräfte eigentlich führt und was sie in den abgeschotteten Bereichen gemeinsamer Feldlager tun.

Mysteriös macht sie der unvermeidbare Zwang zur Geheimhaltung. Es ist ja tatsächlich nicht sinnvoll, die "Zielpersonen" von KSK-Operationen vorher durch übertriebene Öffentlichkeitsarbeit davor zu warnen, dass ein "Hausbesuch" (KSK-Jargon) bevorsteht. Und der Kommandeur der Spezialkräfte ist ernsthaft besorgt um den Schutz der Soldaten und ihrer Familien in der Heimat. Sie könnten etwa durch terroristische Racheakte bedroht sein (auch wenn so etwas bisher in Deutschland noch nicht vorgekommen ist). Strukturell stehen Spezialkräfte und demokratische Öffentlichkeit in einem Spannungsverhältnis.

Deshalb strengt man sich an. Nach einigen Wochen und Vorgesprächen gibt es eine Einladung zu den Besten der Besten. Calw ist eine freundliche Kleinstadt an den Hängen des Vorschwarzwaldes. Wer von hier aus disco- oder kneipentechnisch etwas erleben möchte, und das wollen manchmal auch Elitesoldaten, der muss ins knapp 50 Kilometer entfernte Stuttgart fahren.