ZEITmagazin: Mussten Sie sich damals einen Ruck geben, wieder unter Leute zu gehen?

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Reuter: Ich musste mir keinen Ruck geben, aber wenn ich irgendwo hinging, wusste ich, was die anderen über mich dachten. Und da musste ich zu mir selber sagen: Solange du dir im Spiegel ins Gesicht schauen kannst, gibt es gar keinen Grund, vor anderen zurückzuschrecken. Aber um das auszuhalten, braucht es schon gewisse innere Überzeugungen.

ZEITmagazin: Haben Sie mit der Trennung von Daimler auch viele Menschen verloren, die Sie vorher als Freunde betrachtet hatten?

Reuter: Ja, das ist so gewesen. Diese Kränkungen sind von Menschen ausgegangen, die ich vorher als meine Freunde angesehen hatte.

ZEITmagazin: Kann es in einer Spitzenposition überhaupt echtes Vertrauen geben?

Reuter: Über dieses Problem habe ich viel nachgedacht, aber keine Lösung dafür gefunden. Ich habe das natürlich rational immer gewusst. Ich habe daraus aber nicht die Schlussfolgerung gezogen, jeden Einzelnen, mit dem ich zusammengearbeitet habe, als Speichellecker einzuordnen. Ich habe trotzdem versucht, denen Vertrauen zu schenken.

ZEITmagazin: Haben Sie die Kränkung verwunden?

Reuter: Ja, ich könnte gar nicht leben, wenn ich ständig haderte. Wohl kann ich Leute verachten, aber nicht hassen.

Das Gespräch führte Ijoma Mangold