Na, wenn das kein schöner Zufall ist: Deutschland fehlen Fachkräfte – und Schwarz-Gelb fehlt ein Projekt. Die Frage ist nur, wer in dieser Regierung die Chance erkennt und über die Sommerpause einen politischen Plan daraus entwickelt?

Anzeichen für die Lücke am Arbeitsmarkt gibt es zuhauf: Es mangelt an Lehrlingen, Pflegekräften, Schlossern und Ingenieuren. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt einem Tiefpunkt entgegen, wie es ihn seit 20 Jahren nicht gegeben hat, obwohl die Wirtschaft nach ihrem Absturz 2009 erst seit einigen Quartalen wieder wächst, das Land also am Beginn des Aufschwungzyklus steht. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass die Weltwirtschaft wieder abrupt aus ihrem Rhythmus gerät. Aber das würde den Strukturwandel am Arbeitsmarkt nicht ungeschehen machen.

Da sich zugleich die Zahl der Langzeitarbeitslosen verfestigt, die Unternehmen also nicht finden, wen sie suchen, ist absehbar: Der Mangel kostet uns Wohlstand, nicht in Zukunft, sondern jetzt, im Jahr 2010. Mit den Jobs entgehen dem Staat Steuern, also neue Verteilungsspielräume und die Chance auf einen schnelleren Schuldenabbau.

Woher aber sollen die Fachkräfte kommen? All die Handwerker und Ingenieure? Wo hat Deutschland noch ungenutztes Potenzial? Langfristig unter Kindern von Hartz-IV-Empfängern und Migranten. Dutzende von Untersuchungen belegen, dass diese Kinder und Jugendlichen schlechte Chancen auf eine Bildungs- und spätere Berufskarriere haben. Man kann Deutschland deshalb ungerecht nennen. Man könnte auch sagen: verschwenderisch.

Wenn Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nun mehr Geld ausgeben will, um Kinder, die in relativer Armut leben, zu Musikunterricht oder einer Mitgliedschaft in Sportvereinen zu animieren, dann ist das klug, ökonomisch sinnvoll – und am Ende ein Dienst an allen, auch den Rentnern, die vom Boulevard gerade gegen die Hartz-IV-Reformen aufgestachelt werden. Was von der Leyen heute ins Werk setzen will, würde sehr wahrscheinlich in gut zehn Jahren dazu führen, dass mehr Jugendliche eines Jahrgangs die Lehre oder ein Studium schaffen. Es ist den Versuch wert.

Kurzfristig wird natürlich kein Euro mehr erwirtschaftet, weil ein Kind einen Gutschein bekommt. Deshalb ist die Idee von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) so einleuchtend, die nutzenorientierte Einwanderungspolitik – vulgo Greencard – zu überarbeiten. Hier ist es nun nicht der Boulevard, der mault, sondern die Bundeskanzlerin, die bremst.

 

Dabei gäbe beides zusammen ein glaubwürdiges schwarz-gelbes Projekt für mehr Wohlstand. Gäbe! Würde! Die Sommerpause dauert noch ein paar Wochen. Frau von der Leyen, Herr Brüderle, lassen Sie sich nicht aufhalten.