Sie geben sich gerne furchtbar schlau. Doch manchmal sind sie nur halb so gescheit, wie sie tun: Die piekfeinen Mitarbeiter in den Bankfilialen, die oberschlauen Aktienhändler an den Börsen, die Ratgeber im Fernsehen. All diese Leute nennen sich Finanzexperten, und sie beschäftigen sich laufend mit dem Reichwerden und mit der Wirtschaft. Aber von Zeit zu Zeit richten sie schrecklichen Unfug an – alle gemeinsam. Wieder und immer wieder unterläuft ihnen der gleiche schwere Fehler: Sie fallen auf eine "Spekulationsblase" herein.

Spekulationsblasen entstehen dann, wenn viele Leute sich gleichzeitig vornehmen, schnell ganz reich zu werden. Die Sache kommt ins Rollen, wenn irgendwer eine tolle Idee zum Geldverdienen hat, die viele andere Menschen nachahmen können.

Zum Beispiel diese hier: Schaut mal, die Leute mögen neuerdings gern Schnittblumen in ihren Wohnungen haben! Und ganz besonders mögen sie Tulpen! Also: Wer sich frühzeitig Tulpenzwiebeln besorgt, am besten Arten mit wunderschönen Blüten, der kann später die fertig gewachsenen Pflanzen mit Gewinn an Blumenfreunde verkaufen.

Das ist wirklich eine gute Idee, es sei denn, man übertreibt es. Und es gibt eine berühmte Geschichte aus Holland vom Anfang des 17. Jahrhunderts, wo es die Leute ganz kräftig übertrieben haben. Damals waren Tulpen noch ziemlich neu. Nur reiche Leute konnten es sich leisten, ihre Tische damit zu schmücken. Feine Damen fanden es toll, sich die Blüten ins Haar zu stecken.

Wer also reich werden wollte, kaufte Tulpenzwiebeln, damit er die Blumen später mit Gewinn verkaufen könnte. Doch bald sprach sich das herum, und immer mehr Leute wollten mit den Tulpenzwiebeln reich werden. Einige Leute kratzen ihr ganzes Geld zusammen, um es in Tulpenzwiebeln anzulegen. Manche Zwiebel wechselte mehrmals am Tag ihren Besitzer. Und dabei stiegen die Preise immer weiter. Nach ein paar Jahren kostete eine Tulpenzwiebel 50-mal so viel wie zu Beginn. Aus dieser Zeit gibt es viele Gerüchte, zum Beispiel, dass jemand in Amsterdam ein ganzes Haus gegen drei Tulpenzwiebeln getauscht habe.

Eins ist wohl klar: Ganz so wertvoll konnten Tulpenzwiebeln nun auch wieder nicht sein. Und irgendwann merkten die Leute das auch, zumindest merkten es mehr und mehr von ihnen. Bald kam der Tag, an dem kaum noch jemand zu diesen verrückten Preisen neue Tulpenzwiebeln kaufen wollte. Und die Leute, die sehr viel Geld in die Blumen investiert hatten, bekamen Angst: Wenn niemand mehr ihre Tulpenzwiebeln kaufen wollte, würden sie dann ihr ganzes Geld verlieren?

Am Ende verkauften sie ihre Zwiebeln für viel weniger, als sie selbst einmal bezahlt hatten. Sie dachten sich, dass sie sonst überhaupt kein Geld mehr zurückbekommen würden. Etwas Schlimmes war passiert: Die Spekulationsblase war geplatzt.