Moore sind mächtige Klimaschützer, sie speichern riesige Mengen Kohlenstoff

Erst allmählich dringt ins Bewusstsein, dass solche Feuchtgebiete zu den mächtigsten Klimaschützern gehören, weil sie riesige Mengen an Kohlenstoff speichern. Auch weil die Brände im Moskauer Umland diese Leistung mit gigantischen CO₂-Emissionen ins Gegenteil verkehren, sind sie so desaströs.

Gewiss, in Ostpreußen, nahe der Ostsee, regnet es mehr als in Moskaus Kontinentalklima, doch in den letzten, brütenden Sommern haben unachtsame Beerensammler auch im Zehlau-Moor nördlich der Rominter Heide Feuer entfacht. Diese Brände blieben jedoch begrenzt, weil sie nur dort wüteten, wo Militärs und Landwirte das Torfmoor entwässert hatten. Der wasserreiche, intakte Teil blieb heil.

Derzeit untersuchen Stefan Schwill und Maxim Naprejenko, wie schnell sich die Torfbildung nach so einem Feuer erneuert. Außerdem sammeln sie Daten für eine genaue Klimabilanz des Zehlau-Moors. Denn neben den riesigen CO₂-Speicherkapazitäten muss man einrechnen, dass in bestimmten Phasen der Wiedervernässung Methan entweicht. Vor genau hundert Jahren wurde das Moor von der preußischen Regierung zum ersten deutschen Naturschutzpark erkoren; dieser Schutz soll wieder in Kraft treten.

Die Exkursion endet im Großen Moosbruch, einem weiteren Regenmoor. Kaum eine andere Landschaft ist so urtümlich wie das von kleinen Kolken zerwühlte Bett aus Wollgras und Knabenkraut, Sumpfporst und Moltebeeren. Grüne, gelbe und rostrote Moose, so weit das Auge reicht, unterbrochen nur von einzelnen Erlengruppen. Der Boden schmatzt, er gibt nach wie ein voll gesogener Schwamm. Nur nicht stehen bleiben, sonst beginnt man sofort einzusinken.

Seit der Perestrojka sind schon mehrere Versuche gescheitert, weite Teile dieser Landschaften unter Schutz zu stellen. Auch die Michael-Succow-Stiftung könnte noch am Widerstand einiger Förster oder Beamter oder an Spannungen zwischen Regional- und Zentralregierung scheitern. Doch positive Signale kommen nicht nur aus dem Oblast Kaliningrad, sondern auch aus dem Moskauer Umweltministerium. Und Stefan Schwills Kollege, der Moorforscher Maxim Naprejenko, zeigt vorsichtigen Optimismus: "In der Region sehe ich ein Umweltbewusstseins wachsen."

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