Ein Anruf aus Wien beendete die Sommerferien des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman in diesem Jahr etwas vor der Zeit – trotzdem war es eine höchst erfreuliche Nachricht für den umstrittenen Hardliner. Denn bei dem in seiner moldavischen Heimat urlaubenden Israeli hatte sich in den ersten Augusttagen der Wiener Geschäftsmann Martin Schlaff gemeldet. Und der berichtete Lieberman, dass eine Operation startklar sei, die dem Minister Anerkennung einbringen würde: die Befreiung des vermeintlichen israelischen Spions Rafael Haddad aus einem libyschen Gefängnis.

Am Abend des 8. August war es so weit: Während Lieberman aus Chisinau nach Wien reiste, flog Passagier Haddad an Bord von Martin Schlaffs Privatflieger von Tripolis in die österreichische Hauptstadt. Nur wenige Stunden später befanden sich der Außenminister und der Freigelassene auf dem Weg nach Tel Aviv.

Es war nicht das erste Mal, dass dem bulligen Netzwerker (Spitzname: Rasputin) in Wien ein vorzüglicher Deal gelungen war. Wurde er diesmal in politischer Münze entlohnt, waren es zwölf Jahre zuvor ein paar Millionen Dollar, mit denen er von einem Kurzbesuch in Wien heimkehren konnte.

Wien, im August 1998. Im Vorstand der Bank Austria, Österreichs größten Geldhauses, treffen täglich alarmierende Nachrichten aus Moskau ein. Denn immer schlimmer eskaliert, was heute als Russlandkrise geläufig ist. Internationale Investoren ziehen zunehmend Kapital aus dem Chaos der Jelzin-Ära ab, ein Staatsbankrott droht. Am 13. August empfiehlt der Investor George Soros der Moskauer Regierung eine massive Abwertung des Rubels. Darauf beginnt der Kurs der russischen Währung abzustürzen. Am 17. August bekommt man für einen Dollar noch 6,3 Rubel, am 2. September sind es 10,9 Rubel, und nur eine Woche später sackt der Kurs auf fast 21 Rubel ab – ein veritabler Währungscrash.

Doch die Bank Austria war in ihren russischen Geschäften von einem steigenden Rubelkurs ausgegangen – und schon gar nicht von einem derartigen Zusammenbruch. Sie drohte Milliardenwetten zu verlieren.

Mit flatternden Nerven jettet der damalige Bank-Austria-Boss Gerhard Randa zusammen mit dem Wiener Rechtsanwalt Ewald Weninger am 10. September nach Moskau. Dem Magazin Format berichtete Randa später: "Es herrschte das totale Chaos. Plötzlich sah es so aus, als würden wir 4,5 Milliarden Schilling verlieren." Das entspricht, die Inflation eingerechnet, einer halben Milliarde Euro, in Zeiten der Finanzkrise kein sonderlich beeindruckender Betrag. Vor 12 Jahren hingegen hätte diese Summe vielleicht die Überlebensfähigkeit der Bank, sicher aber die Karriere Randas gefährdet. "Als ich nach Wien zurückgekehrt bin, war ich in Panik", sagte Randa später.