Ein kalter Wind rüttelt am Freiburger Münster – Windstärke sechs. Stefan Staiger und Raimund Lehmann von der Hochschule Offenburg stehen auf dem Dach eines eingerüsteten Seitenflügels des Sakralbaus und haben eine heikle Mission: Die Ingenieure sollen einen elektronisch betriebenen Modellhubschrauber, der mit einer Digitalkamera bestückt ist, bis auf wenige Zentimeter an die beiden Hahnentürme des Münsters heranfliegen lassen. Die Münsterbauhütte hatte das Projektteam um den Physikprofessor Werner Schröder beauftragt, mithilfe des von ihnen entwickelten "Autonomen Helikopters" hochauflösende Bilder von der Bausubstanz des Freiburger Wahrzeichens zu machen.

Früher musste für ein solches Unterfangen ein echter Helikopter gechartert werden. Das kostete viel Geld und war mit einem hohen Aufwand verbunden. "Für eine solche Aktion wurde der Münsterplatz aus Sicherheitsgründen gesperrt", erzählt Werner Schröder.

Das grazile und nur fünf Kilogramm schwere Fluggerät der Offenburger Elektro- und Informationstechniker indes erregte kaum Aufsehen bei den Marktbesuchern, die sich an diesem Tag 40 Meter unter ihm auf dem Münsterplatz tummelten. Seine Aufgabe erledigte der Heli mit Bravour. Trotz des starken Winds gelang es dem wendigen Flieger, stabil in der Luft zu verharren, sodass die Kamera präzise Aufnahmen der von je einem Wetterhahn gekrönten Turmspitzen aus nächster Nähe abspeichern konnte. Mit einem gewöhnlichen Modellhubschrauber wäre das unmöglich.

Stefan Staiger kann sich gut an diesen spektakulären Einsatz im vergangenen Dezember erinnern. Mit "schlotternden Knien" habe er die Fernsteuerung bedient. "Aber unser Helikopter fliegt einfach super, auch dann, wenn man ziemlich nervös ist", sagt der diplomierte Elektrotechniker. Staiger ist Mitglied des Projektteams, das den Autonomen Helikopter entwickelt hat. Das Fluggerät, von dem es bislang drei Prototypen gibt, eröffnet die unterschiedlichsten Anwendungsmöglichkeiten überall dort, wo es darum geht, an hohe oder schwer zugängliche Objekte heranzukommen: Hochspannungsmasten etwa oder Pfeiler von hohen Brücken. Statt einer Foto- oder einer Filmkamera kann auch eine Thermokamera montiert werden, um Wärmebilder aus der Luft aufzunehmen, zum Beispiel für archäologische Zwecke. Der Mini-Helikopter ist ein gutes Beispiel für die Innovationsfreude der anwendungsorientierten Fachhochschulen, für die die Entwicklung neuer Technologien bundesweit zum Geschäft gehört. Die Palette reicht von kabellosen Kommunikationssystemen für Flugzeugsitze über Feldroboter, die Agrarpflanzen nach Sorten unterscheiden können, bis zu einem Messgerät, das den Energieaufwand von Rollstuhlfahrern erfasst.