Vielleicht war es Glück, vielleicht Weitsicht. Jedenfalls änderte es das Leben von Li Lu. Bis vor wenigen Jahren war der Hedgefondsmanager mit chinesischen Wurzeln an der Wall Street noch nahezu unbekannt. Doch dann überzeugte Li Lu den Großinvestor und Milliardär Warren Buffett, 230 Millionen Dollar in BYD zu stecken, ein chinesisches Unternehmen, das neben Autos auch wiederaufladbare Batterien auf der Basis von Lithium produziert. Li Lu landete den Coup seines Lebens.

Kurz darauf explodierte der Markt für Mobiltelefone und Laptops, die mit Lithium-Ionen-Batterien laufen. Und dann redete plötzlich alle Welt von Elektroautos, bei denen ähnliche Energieträger zum Einsatz kommen. US-Präsident Barack Obama versprach ein Milliardenprogramm für die Produktion dieser Batterien, und Bundeskanzlerin Angela Merkel gab das ehrgeizige Ziel aus, bis in zehn Jahren eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen. Der Aktienkurs von BYD stieg weiter. Buffetts Anteil ist heute rund 1,5 Milliarden Dollar wert.

Die Welt ist im Lithiumrausch. Manche sprechen schon vom Erdöl der Zukunft. Ist das der Beginn eines neuen Rohstoffbooms? Die Anzeichen mehren sich. Lithium weckt Gelüste bei Spekulanten und Kleinanlegern, die von der Euphorie profitieren wollen, auf den Investmentmärkten weltweit herrscht Goldgräberstimmung.

Wer früh einsteigt und bei den derzeit niedrigen Preisen auf den verheißungsvollen Rohstoff setzt, kann schon in einigen Jahren fette Gewinne einstreichen. Kommt erst einmal der Markt für Elektroautos in Fahrt, steigt die Nachfrage nach Lithium und damit auch der Preis. So zumindest klingen optimistische Prognosen.

Laut Brian Jaskula von der amerikanischen Geologenvereinigung USGS haben mehrere Ereignisse in den vergangenen 20 Jahren die Preisbildung beeinflusst. Bis Ende der achtziger Jahre sei der Abbau des silbrig-weißen Alkalimetalls schwierig gewesen, was die Preise hoch hielt. Zudem habe es erhebliche Preisschwankungen zwischen den einzelnen Produzenten gegeben. Mitte der neunziger Jahre dann hätten sich neue und stärker standardisierte Verfahren durchgesetzt und den Preis auf etwa 4500 Dollar pro Tonne gedrückt. Dann kam der Handy- und Laptop-Boom, der die Nachfrage enorm steigerte. "Vor der Krise lag der Preis für eine Tonne bei etwa 6500 Dollar", sagt Jaskula. Die Rezession ließ den Wert in den Keller rutschen – nach Angaben des Wissenschaftlers auf aktuell rund 1500 Dollar. So genau lässt sich das nicht sagen, denn an den Rohstoffbörsen wird Lithium bisher nicht gehandelt. Seine Prognose ist dennoch eindeutig: "Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren enorm steigt und damit auch der Preis."

Für Spekulanten hieße das: Jetzt kaufen! Wie aber können Anleger ihr Geld in Lithium investieren? Wer nicht gleich wie der Hedgefondsmanager Li Lu große Anteile eines Unternehmens aufkaufen kann, hat ein Problem. Und gerade Privatanleger dürften nicht genügend Platz und geeignete Möglichkeiten in ihrer Garage haben, um tonnenweise Lithium einzulagern. Investieren sie dagegen in den Öl- oder Gasmarkt, ist das nicht nötig. Sie können ihr Geld stattdessen in einen auf Rohstoffwerten basierenden Fonds geben, der an den Börsen gehandelt wird. Solche Exchange Traded Funds (ETF) sind derart strukturiert, dass sie die Wertentwicklung eines Rohstoffes widerspiegeln.

Dies funktioniert in der Regel über Terminkontrakte auf den jeweiligen Rohstoff. Bisher aber werden diese Kontrakte auf Lithium an den Börsen nicht gehandelt. "Das ist bisher ein reines Cash-Geschäft", sagt Jaskula von der USGS, "die Minengesellschaften verkaufen direkt an die Produzenten der Batterien oder andere Unternehmen, die das Material weiterverarbeiten."

Ein Markt für Anleger und Spekulanten entsteht erst, wenn etwa Banken standardisierte Verträge für den Handel des Leichtmetalls auflegen und zwischen Produzenten und Abnehmern vermitteln. Sehen schließlich die Börsen wie die CME in Chicago genügend Marktteilnehmer und Potenzial, können sie diese Verträge in ihr Portfolio aufnehmen. Die CME, die weltweit größte Rohstoffbörse, wollte auf Anfrage allerdings keine Angaben über mögliche Pläne zu Lithium machen.