Ein "historischer Sieg" wird dieser Tage in Nunavut gefeiert. Zum ersten Mal habe ein kanadisches Gericht "die kulturellen Territorialrechte der Inuit" anerkannt, freut sich Okalik Eegeesiak, Präsidentin der Qikiqtani Inuit Association in Kanadas größter und gleichzeitig mit 30000 Einwohnern bevölkerungsärmster Provinz.

Für die deutsche Polarforschung ist das Ereignis leider auch historisch. Die einstweilige Verfügung im arktischen Norden Kanadas untersagt nämlich geologische Untersuchungen der Polarstern. Als das Urteil kam, war das deutsche Forschungsschiff bereits zwischen den Eisschollen der Baffin Bay unterwegs. Zum ersten Mal seit seiner Inbetriebnahme vor 28 Jahren ist eine Expeditionsreise per Gerichtsbeschluss verboten worden.

Völlig überraschend kommt das nicht. Schon im letzten Sommer hatte ein Polarstern- Experiment für Proteste gesorgt. Im Südpazifik sollte der Effekt großflächiger Eisendüngung auf die Algenblüte und die Aufnahme des Treibhausgases CO₂ erforscht werden. Damals konnten die Forscher ihr Projekt noch erfolgreich verteidigen – und herausfinden, dass Eisendüngung gegen den Klimawandel dort nicht hilft. Diesmal musste die Polarstern unverrichteter Dinge abdrehen.

Dabei schien das Forschungsziel nicht gerade schlagzeilentauglich. Geplant waren Untersuchungen zur Rotation der grönländischen Erdplatte im Paläozän und Eozän. Reine Grundlagenforschung zur Plattentektonik vor 40 bis 60 Millionen Jahren. Alle erforderlichen Genehmigungen der Zentralregierung in Ottawa und der Regierung von Nunavut waren erteilt.