Niklas Schechinger Fine Art, der Name klingt nach weiter Welt und großem Geld. Dabei gibt es diese Galerie erst seit einem guten Jahr. Und genau genommen erst seit vorvergangenem Wochenende, als Niklas Schechinger, 32 Jahre alt, seine neuen, weitläufigen Räume im Erdgeschoss eines Sozialbaus in der Trommelstraße in Hamburg-St. Pauli mit einer Ausstellung von Hank Schmidt in der Beek eröffnet hat.

Wer heute eine Galerie gründe, sagt Niklas Schechinger, der sei meist entweder jahrelang in einer großen Galerie angestellt gewesen, oder er komme "aus dem Geld". Bei ihm selbst fehlen beide Voraussetzungen, die Erfahrung und das Geld. Und trotzdem könnte es gut sein, dass Niklas Schechinger Fine Art schon bald eine der wichtigsten Adressen für junge Kunst in Hamburg sein wird. Weil der wagemutige Schechinger sich seinem Beruf – wie schon berühmte Kollegen vor ihm – von der Seite der Künstler genähert hat.

Früher hat er noch selbst zusammen mit Hank Schmidt in der Beek – dem derzeit auch der Hamburger Kunstverein eine sehenswerte, amüsante Ausstellung widmet – an Skulpturen, Gemälden und Performances gearbeitet. Die beiden sind schon in München zusammen in den Kindergarten gegangen, später haben sie gemeinsam in Offenbach Kunst studiert und dann in Frankfurt mit Michael Riedel und Dennis Loesch ein Kunstkollektiv gegründet. Doch Schechinger, der seine Abschlussarbeit an der Akademie über die Zerstörung in der Kunst geschrieben hat, haderte mit dem Gedanken, selbst Künstler zu sein. Und seine Künstlerfreunde brauchten dringend einen Galeristen, einen, der sie ernst nimmt, der ihren Humor teilt – und der ihnen zu einem Einkommen verhilft. Im vergangenen Jahr zeigte Schechinger also an verschiedenen Orten die Arbeiten von Künstlern wie Rouven Schmitt, Dennis Loesch und dem auch international bereits erfolgreichen André Butzer. Gute Künstler, sagt Niklas Schechinger, kenne er genügend. Es fehlen nur noch die reichen Sammler.

Zu den Gemälden von Hank Schmidt in der Beek, von denen die größeren Formate um die 6000 Euro kosten, gibt Schechinger wie üblich die Größe in Zentimetern an, er liefert aber auch eine Minutenzahl. Es ist die Dauer des Filmmaterials, das Schmidt in der Beek als Vorlage für seine Gemälde benutzt, denn er hat sich darauf spezialisiert, Kunst aus Filmen auf Leinwände zurückzuholen: Er projiziert Dokumentationen über Künstler wie Magritte oder Mondrian auf leere Leinwände, und sobald im Film ein Kunstwerk zu sehen ist, malt er es schnell ab. Schnitte und Kameraschwenks führen dazu, dass Schmidt in der Beek von den Vorlagen immer nur kleine Fragmente erwischt. Am Ende einer solchen Malsession – die wiederum auch auf Video aufgezeichnet wird – entsteht ein weitgehend abstrakt wirkendes Gemälde, das nur noch entfernt an die Arbeiten der porträtierten Künstler erinnert, auf dem vage eine Warholsche Suppendose oder ein Quadrat von Mondrian zu erkennen ist. Auch Schmidt in der Beeks Arbeiten im Kunstverein beschäftigen sich mit den Heroen der Kunstgeschichte, er zeigt dort 300 Collagen, für die er seine komplette Kunstbibliothek zerschnitten hat, um sie dann mit anderen Schnipseln, etwa aus dem großen Dick und Doof- Buch, zu kombinieren. So trägt jetzt Stan Laurel einen schwarzen Kreis von Malewitsch auf dem Kopf, und Oliver Hardy schmiegt sich an ein expressionistisches Paar von Otto Mueller – und die seit Jahrzehnten sehr ernst verehrten Kunstwerke bekommen plötzlich eine spielerische Leichtigkeit. Viele dieser Collagen konnte Niklas Schechinger bereits verkaufen, für die Gemälde sucht er – wie gesagt – noch Sammler. Sammler, die ihm und seinen Künstlern in Zukunft den Lebensunterhalt ermöglichen. Sie werden sich finden.