Als Prinz Charles den Saal betritt, hält er Einzug wie ein König. Zu beiden Seiten des Ganges stehen die Menschen auf, wenden sich ihm zu und begrüßen ihn mit einer begeisterten Ovation. Es sind die Kapitäne der Lebensmittelindustrie, die sich zum Weltgipfel des Consumer Goods Forum in der Londoner Queen Elizabeth II. Hall eingefunden haben, unter ihnen die Chefs von Coca-Cola und Wal-Mart, Unilever und Tesco, Migros, Nestlé und Carrefour.

Ist der Beifall echt? Die Gegenwart einer Königlichen Hoheit verfehlt ihre Wirkung offenbar auch auf die mächtigsten Magnaten nicht. Aber was macht der mittlerweile 62-jährige grüne Prinz auf dem Welttreffen hartgesottener Lebensmittelkapitalisten?

Er ist gekommen, um ihnen die Leviten zu lesen. Er lächelt in einer schwer auf den Punkt zu bringenden Mischung aus Selbstironie und Schüchternheit. Ist die gespielt oder echt? Schwer zu sagen.

Eine Vorrednerin zieht all die richtigen Register. "Wie man wächst und gleichzeitig Gutes tut", lautet das Thema ihrer Präsentation. Sie spricht von der ethischen Dimension der Lebensmittelproduktion, von "Werten für Werte" und verwendet noch etliche andere Slogans, die dem Zeitgeist entsprechen. Der britische Supermarktriese Tesco ist ihr zufolge eine führende Kraft im Kampf gegen den Klimawandel, der britisch-niederländische Konzern Unilever habe sich auf nachhaltige Fischerei und Palmölproduktion umgestellt, Coca-Cola fördere Erzeuger in der Dritten Welt.

Dann stellt Mark Price, Vorstandvorsitzender der Supermarktkette Waitrose, den Hauptredner vor. Price ist ein guter Freund des Prinzen. Charles nennt ihn im Scherz gerne den "feisten Krämer".

Ihr Einvernehmen geht auf einen fehlgeschlagenen Versuch des Prinzen zurück, sich als ökologischer Unternehmer zu versuchen. 1992 hatte er eine Firma namens "Duchy Originals" gegründet. Duchy, das Herzogtum von Cornwall, ist das private Stammeigentum des jeweiligen Thronfolgers und schließt enorme Ländereien ein. Das neu gegründete Unternehmen vertrieb Butterkekse und Hafergebäck aus eigenem Biogetreide, ökologisch produzierte Schweinswürste und Schinken, Suppen und Soßen sowie alternative Hautsäuberungsartikel, Parfüms und Kräuterheilmittel.

Alle waren mit dem erlauchten Siegel des Prinzen versehen. Sämtliche Profite des Unternehmens gingen an von Charles geförderte wohltätige Organisationen. Und zunächst lief alles nach Plan.

Der Umsatz stieg auf fünf Millionen Euro im Jahr. Doch dann geriet die Firma ins Kreuzfeuer der Kritik. Der prominente Professor für Alternativmedizin, Edzard Ernst, taufte die teuren Tinkturen von Duchy Originals in Dodgy Originals um – in "Original-Quacksalberei". Die Aufsichtbehörde für Medikamente und Gesundheitsprodukte untersagte in der Werbung aufgestellte Behauptungen über die segensreichen Wirkungen der Elixiere.