Vor kurzem starb mit 99 Jahren der älteste Schachgroßmeister der Welt, Andor Lilienthal aus Ungarn. Nach einem bewegten Leben, das ihn lange Zeit auch in der Sowjetunion leben ließ; er war mit drei wesentlich jüngeren russischen Frauen verheiratet, von denen er zwei überlebte. Sein Leben in einer bemerkenswerten geistigen Frische führte er zum einen auf das Glück mit seinen Frauen, zum anderen aufs Schachspiel zurück. Dabei war ihm ein erfülltes Leben wahrlich nicht in die Wiege gelegt worden. Aufgrund der häuslichen Armut wuchs er in einem staatlichen Kinderheim auf, wo er das Schneiderhandwerk erlernte. Doch der 15-jährige fand keine Beschäftigung, stattdessen erlernte er das Schachspiel und verbrachte bald seine Tage in den Budapester Schachcafés, wo er um Geldeinsätze spielte.

Er wurde einer der stärksten Spieler der Welt, berühmt sein fantastischer Damenopfersieg gegen Capablanca. Als er 85 war, kommentierten wir zusammen ein Turnier der Weltelite in Wien; nach wie vor entging ihm kaum eine Kombination, gleichzeitig war er zutiefst bescheiden und humorvoll. Als nach einer Runde Karpow, Kramnik, Jussupow, er und ich zusammenstanden, versuchte ich einen Satz auf Russisch zu radebrechen. Worauf ein freudiges Lächeln über sein Gesicht huschte und er sagte: "Endlich habe ich jemanden getroffen, der noch schlechter Russisch spricht als ich selber!" Mit welch listiger Kombination gewann er als Weißer 1951 in Baku gegen Schamkowitsch, wobei er nicht nur den schwarzen König, sondern auch dessen (ungedeckte) Dame im Visier hatte?

Lösung aus Nr. 33:
Mit welchem "Aufbrechzug" hätte Schwarz schnell gewinnen können? Nach 1...h4! ist Weiß gegen die Zerstörung seiner Bauernkette hilflos, weil beispielsweise 2.Lb3 Df2+ 3.Kh1 (3.Kh3 Dxg3 matt) hxg3 zum Matt durch Dh2 oder Df1 führt; andererseits erobert die schwarze Dame nach 2.gxh4 Dxf4+ den Turm, z. B. 3.Kg2 Dg4+ nebst 4...Dxc8