Als Karl Lagerfeld einmal mit einer Designerin im Gespräch war und sie begann, von "ihrer Kunst" zu berichten, unterbrach er sie: "Interessant – Sie machen also keine Kleider mehr?" Lagerfeld betont immer wieder, mit Kunst nichts zu tun zu haben. Er gestaltet Kleidung. Viele andere seiner Zunft behandeln Kleider wie Kunst und erklären sie zu Sammlerobjekten.

Überall tauchen derzeit "limitierte Editionen" auf. Die Rodarte-Schwestern haben ein T-Shirt mit dem Aufdruck "New York Herald Tribune" entworfen, anlässlich des 50. Jubiläums des Filmes À bout de souffle – in streng limitierter Auflage. Lacoste bringt jedes Jahr die begrenzte Collector’s-Linie in die Läden, stets von einem anderen Designer kreiert. Dieses Jahr ist es Li Xiaofeng. Jean Paul Gaultier und La Perla haben eine Lingerie-Kollektion mit begrenzter Stückzahl entworfen. Roberto Cavalli bringt anlässlich des 40. Geburtstags seiner Marke gleich sechs limitierte Kollektionen auf den Markt, unter anderem eine Kaschmirschal-Auswahl und eine Sonnenbrillenlinie. Und in Deutschland verkauft die Marke René Lezard neuerdings "Lieblingsstücke". Jedes der aufwendig verarbeiteten Teile ist auf 100 Exemplare limitiert, sie sind sogar durchnummeriert.

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Limitierte Editionen sind schon aus der Welt der Uhren und der Kunst bekannt. Exemplare, von denen nur geringe Stückzahlen auf dem Markt sind, erzielen Höchstpreise. Das mag bei Dingen, die in Schubladen und Tresoren ihre Existenz fristen, auch Sinn ergeben. Aber soll Mode begrenzt sein? Auch Kleidung kann Sammlerobjekt sein. Aber die Kleider, die heute teuer gehandelt werden, wurden meist nicht in Kleinstauflagen hergestellt. Sie waren Mode. Das bedeutet, sie haben ihre Zeit geprägt und wurden massenhaft getragen. Dann fielen sie irgendwann aus der Zeit und wurden entsorgt. Bis auf einige Stücke, die aus sentimentalen Gründen in irgendwelchen Klamottenkisten überdauert haben. Erst ihre Vergänglichkeit macht sie wertvoll.

Kleider sind nicht bezaubernd, weil sie als Sammlerobjekte für die Ewigkeit gemacht sind. Kleider sind für den Moment geschaffen. Wolfgang Joop hat mal gesagt, das perfekte Kleid solle genau einen Abend lang halten und dann auseinanderfallen. Das wäre dann in gewisser Weise auch limited.