Anpfiff zur Bundesliga! Und diese Woche fiebern nicht nur Fans in Deutschland dem Ereignis entgegen, sondern auch in ganz Afrika: Von Freitag an sind die Spiele zu sehen. Das gab’s noch nie. "Es ist uns gelungen, die Übertragungsrechte zu sichern", verkündet der südafrikanische Fernsehkanal SuperSport, der über sein kontinentales Netzwerk 3,5 Millionen Apparate in Nigeria, Ghana und anderen fußballverrückten Ländern erreicht.

Weil in Afrika niemand allein guckt, werden weit über zehn Millionen Afrikaner zuschauen. Seit Wochen schwärmt der Sender von der Bundesliga und seinen Kickern. "Der deutsche Fußball war ein Synonym für technische Perfektion, Struktur und Disziplin… Nun aber hat das junge deutsche Team beim Weltcup 2010 in Südafrika eine ganz andere Eigenschaft gezeigt: Flair."

Flair! Wir sind wieder wer!

Ronaldo? Messi? Kaka? Rooney? Die WM-Stars hießen Swinestiger, Esil und Muller, da sind sich die Südafrikaner einig. Als ihr Team in der Vorrunde ausschied, liefen Millionen zur deutschen Elf über. Die Begeisterung ist nachhaltig, man will plötzlich alles wissen über die "wonderful Germans" . Ballack oder Lahm? Sogar die Hauptnachrichten am Abend melden, dass Jogi Löw die Kapitänsfrage offen hält. "Niemand redet über Spanien oder Holland", berichtet Carsten Krebs, der Fußballbeauftragte der VW-Fabrik in Port Elizabeth. "Alle Mitarbeiter sagen, Deutschland habe die besten, schönsten und spannendsten Spiele geliefert und sei der wahre Champion." Der Weltmeister der Herzen! SuperSport will Afrika teilhaben lassen an dieser "neuen, aufregenden Ära des deutschen Fußballs".

Es gab schon mal eine Zeit, da genoss die Bundesliga am Kap hohes Ansehen, damals, als die Apartheid unterging, der internationale Sportboykott endete und Südafrika in die Fußballwelt zurückkehrte. Anfang der neunziger Jahre war das. Seinerzeit hatte Deutschland den Weltcup in Italien gewonnen. Jeder Schüler in den Townships kannte Völler, Klinsi und Matthäus. Doch schon bald sollten die Champions unter dem Kommando von Berti Vogts zu Rumpelfüßlern verkommen und allen Ruhm verspielen. Wenn auf den Sportseiten von deutschem Fußball noch die Rede war, hagelte es die üblichen Klischees über das Kriegs- und Kraftvolk.

So geriet die Bundesliga in Vergessenheit. Dafür war rund um die Uhr die englische Premier League zu sehen: ManU, Liverpool, Arsenal. Dann kamen die Serie A (Italien), Primera Division (Spanien) und mit einigem Abstand die SuperLiga (Portugal). Dann kam gar nichts mehr.

Und nun? Allwöchentlich vier Begegnungen live aus der Bundesliga, dazu das Magazin Goal! – alle Spiele und Tore. Diese Liga sei die bestbesuchte der Welt, und nirgendwo in Europa fielen so viele Tore, wirbt der Sender. Er zählt die internationalen Stars auf, die in Deutschland ihre Millionen verdienen, von A wie Arjen Robben bis Z wie Ze Roberto. Die Fans zwischen Dakar und Daressalaam freuen sich besonders auf die afrikanischen Legionäre, auf Idrissou, Boka, Demel, Obasi, Sarpei oder Vorsah. Und auf Spitzenmannschaften wie Bayern München oder Werder Bremen. Sogar die Königsblauen auf Schalke sind nach dem Wechsel des spanischen Torjägers Raúl wieder im Gespräch.

Auch Nyanga Tshabalala, unser Freund aus Soweto, hat sein Urteil über die deutsche Elf korrigiert. "Ihr spielt wie Elefanten", pflegte er zu sagen. Jetzt sagt er: "Ihr seid die neuen Brasilianer."