Niklas, Luca und Lena halten von der Idee ihrer Eltern wenig. Sie sollen demnächst Gartenarbeiten übernehmen, also: Rasen mähen, gießen, Unkraut zupfen und eklige Schnecken einsammeln. Und das alles einmal die Woche – für zwei Euro die Stunde.

Die drei Geschwister haben zwar keine Lust, allerdings kriselt es derzeit zwischen ihnen. Deshalb gehen sie getrennt zu den Eltern, um ihnen die Sache auszureden. Doch die scheinen wild entschlossen. Es ist nichts zu machen.

Die hartnäckige Haltung bringt Niklas, Luca und Lena schließlich doch zusammen. Angesichts der Tatsache, dass dieser Arbeitseinsatz kaum zu verhindern ist, werden sie sich sogar einig: Statt der gebotenen zwei Euro pro Stunde fordern sie das Doppelte. Zudem müssten einmal im Monat jeweils drei Stunden reichen. Und sollte jemandem etwas dazwischenkommen, möchten sie auch mal wegbleiben können – ohne große Diskussion.

Mit diesen Vorschlägen gehen die drei in die Verhandlung. Nachdem sich die Erwachsenen völlig uneinsichtig zeigen, drohen die Geschwister damit, ihre Zimmer nicht mehr aufzuräumen, falls die Eltern nicht nachgeben. Schließlich kommt es zu einer Einigung. Es gibt drei Euro die Stunde. Die drei müssen alle 14 Tage in den Garten und dürfen fünfmal unentschuldigt fehlen.

Alle sind mit dem Ergebnis zufrieden. Möglich wurde es, weil die Geschwister ihre Interessen gebündelt und an einem Strang gezogen haben. Genau das ist die Aufgabe von Gewerkschaften in der Arbeitswelt. Manche sagen auch "auf dem Arbeitsmarkt". Dort stoßen die Arbeitnehmer, also die Menschen, die Arbeit suchen, auf die Nachfrage der Arbeitgeber. Das sind die Chefs. Beide Seiten verhandeln über den Preis für die Arbeit, also den Lohn. Funktionieren kann das aber nur, wenn die Verhandlungspartner ähnlich stark sind. Sonst fehlt das Gleichgewicht. Die Schwächeren sind im Nachteil.

Damit nicht jeder Einzelne dauernd aufs Neue debattieren muss, handeln die Gewerkschaften Tarifverträge aus, in denen für einen bestimmten Zeitraum im Prinzip das geregelt ist, was Niklas, Luca und Lena mit ihren Eltern vereinbart haben: die Art der Arbeit, Höhe des Gehalts, Arbeitszeit und Urlaubsanspruch. Geraten die Tarifverhandlungen ins Stocken, ruft eine Gewerkschaft manchmal zum Streik auf, um den Arbeitgebern Dampf zu machen. Das ist ein gesetzlich festgelegtes Recht. Allerdings muss der Arbeitgeber für Streiktage auch keinen Lohn bezahlen. Die Gewerkschaft gibt ihren Mitgliedern stattdessen Streikgeld.