Zum Raiffeisen-Reich gehören Betriebe wie die niederösterreichischen Molkereibetriebe, die größte österreichische Versicherung Uniqa, verschiedene Reisebüroketten, Immobilienfirmen (Raiffeisen besitzt allein in Österreich mehr als 150.000 Wohnungen), die Salinen AG, Industrieparks, Wellnesshotels, Seilbahngesellschaften, die größte österreichische Bausparkasse, Softwareparks, Wohnbaugenossenschaften, Leasingfirmen sowie Beteiligungen an der Bauholding Strabag, am Traditionszuckerbäckergeschäft Demel, den Nahrungsmittelbetrieben Inzersdorfer und Maresi, dem Industrieunternehmen voestalpine, dem Gastronomieunternehmen Do & Co, der Wiener Börse AG, Spielcasinos und, und, und. Die Auflistung aller Besitztümer und Beteiligungen würde ein ganzes Buch füllen.

Bedrohlich ist vor allem die Dominanz im Bereich der Medien, an denen Raiffeisen mitbeteiligt ist oder die der Konzern mitfinanziert hat: Kurier, News , profil , Format , Österreich , Oberösterreichischer Landesverlag, APA, Morawa Pressevertrieb, Woman , trend , TV-Media , e-media , Gusto , autorevue , Golfrevue , TV Woche , Die Bühne , Xpress , Krone Hitradio, SAT1 Österreich, die ORF-Tochterfirma ORS und die Plakatwerbung Epamedia, die auch die Märkte in Tschechien, Ungarn, Mazedonien und in der Slowakei dominiert.

Bei dieser Medienpräsenz verwundert es nicht, wenn Kritik an Raiffeisen nur vorsichtig geäußert wird. Wer sich mit Raiffeisen anlegt, muss damit rechnen, eingeschüchtert zu werden. Als das österreichische Parlament 2006 einen Untersuchungsausschuss über die Banken einrichtete, in dem auch die Ost-Geschäfte von Raiffeisen zur Sprache kommen sollten, drohte Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad laut ORF: "Wir überlegen, unseren Ruf zu verteidigen, wir werden prüfen müssen, ob es Klagen wegen Kreditschädigung gegen die Parlamentarier geben wird."

Dass es enge Verbindungen zwischen Raiffeisen und der ÖVP gibt, ist kein Geheimnis. Wie offen die Türen sind, in beide Richtungen, kann man immer wieder in österreichischen Medien nachlesen. Es gibt dazu unzählige Geschichten und Anekdoten. Nehmen wir beispielsweise Oberösterreich, wo angeblich nicht der ÖVP-Landeshauptmann Josef Pühringer das Sagen hat, sondern "König Ludwig". Das ist einer der Spitznamen des dortigen Raiffeisenlandesbank-Chefs Ludwig Scharinger. Ohne ihn geht in Oberösterreich seit 1985 angeblich gar nichts. Landeshauptleute kommen und gehen, "König Ludwig" bleibt. Selbstverständlich dementiert Scharinger, dass er Macht habe, aber das tun Mächtige gerne.

Oder nehmen wir Ferry Maier, den Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes und eine zentrale Machtfigur im Raiffeisen-Medienreich. Er war eine Zeit lang Generalsekretär der ÖVP und sitzt jetzt für diese Partei im Nationalrat.

Oder nehmen wir Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, den angeblich mächtigsten Mann in Österreich. In der Tageszeitung Presse wurde er vor Kurzem als "heimlicher Strippenzieher der ÖVP" bezeichnet. Er soll auch nicht unwesentlich daran beteiligt gewesen sein, dass der niederösterreichische ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll nicht als Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2010 antrat.

Zu den Milliardengewinnen gesellen sich auch noch Steuergutschriften

Gesellschaftlicher Fortschritt bedeutet in der Landwirtschaft, dass die Zahl der Bauern sinkt und sinkt. 1951 gab es in Österreich noch rund 430.000 bäuerliche Betriebe. Seither geht es nur noch bergab. Von 1951 bis zum EU-Beitritt im Jahr 1995 sperrten jeden Tag dreizehn Bauern ihren Betrieb zu, und seit der EU-Mitgliedschaft, sind es täglich zwölf. Jetzt, Anfang des Jahres 2010, existieren in Österreich noch 160.000 bäuerliche Betriebe. Tendenz: weiter fallend. Diese Entwicklung scheint unaufhaltsam zu sein wie die Zeit, die immer weiterläuft, egal, ob Uhren stillstehen oder nicht, egal, ob Subventionen in die Landwirtschaft hineingepumpt werden oder nicht.