Morgens um sieben ist im Club die Hölle los. Seit ein paar Minuten läuft der Verkauf von Joop-Sonnenbrillen und Cavalli-Schuhen und schon meldet die Webseite: Diese Pumps sind leider ausverkauft, die Sonnenbrillen werden auch schon knapp. Wer noch eine zum "Bestpreis" bekommen will, darf nicht lange fackeln. Das wissen die Clubkundinnen und bestellen oft schneller, als die Server die Daten verarbeiten können: Dann tickern schon mal 20.000 Bestellungen pro Stunde ein, fünf pro Sekunde und die IT-Crew hält dann den Atem an. Es ist jeden Morgen dasselbe Spiel. Ein Spiel gegen die Zeit.

Shopping-Clubs im Internet sind so etwas wie die Schlussverkauf-Wühltische der Neuzeit. Sie stellen Markenklamotten und Luxusaccessoires ins Netz, zu Preisen, bei denen der Finger schnell die "Kaufen"-Taste findet. Denn das Angebot gilt jeweils nur für ein paar Tage, und oft sind die besten Stücke nach Minuten weg. Früher standen sich Schlussverkauf-Kunden die Füße vor den Kaufhaustüren platt, bis sich der Schlüssel im Schloss drehte. Heute stellen sie den Wecker und fahren vor sieben den Rechner hoch. Dann bleiben ein paar Minuten, um alle Club-Newsletter zu lesen und sich da einzuloggen, wo es die besten Angebote gibt.

Millionen machen schon mit: Beim größten deutschen Shopping-Club, Brands4Friends, sind drei Millionen deutsche Mitglieder angemeldet. Branchenriesen wie BuyVip und Vente Privée kommen europaweit auf ein Millionenpublikum und auf mehrere Hunderttausend in Deutschland. Ein Dutzend Clubs teilt hierzulande den Markt unter sich auf, und 70 Prozent aller Internetnutzer wissen, was sich hinter deren Konzept verbirgt. Jeder Dritte hat sogar schon bei ihnen eingekauft, sagt eine Umfrage der Internet-Marktforscher Fittkau & Maaß.

Marktführer Brands4Friends bringt es bereits auf 80 Millionen Euro Jahresumsatz. Das ist zwar nicht weltbewegend, wenn man weiß, dass hierzulande über das Internet Kleider und Schuhe für insgesamt 3 Milliarden Euro verkauft werden und Elektronikprodukte für 3,4 Milliarden Euro. "Aber in drei Jahren könnten Shopping-Clubs bereits ein Umsatzvolumen von einer halben Milliarde Euro haben ", schätzt E-Commerce-Experte Jochen Krisch. Damit würden sie vielen Onlineshops mächtig das Wasser abgraben.

Der deutsche Hang zur Vereinsmeierei ist bekannt.Dass die auch beim Einkauf im Internet funktioniert – und besonders gut bei Frauen –, liegt am Mix aus großen Marken, kleinen Preisen und dem Zeitdruck. "Das macht das Club-Shopping zum Impulskauf", erklärt Krisch. Bei den Cluborders sind Levi’s-Jeans, Adidas-Schuhe oder Dolce-&-Gabbana-Taschen 50 bis 70 Prozent billiger als in Innenstadtläden. Oft sogar günstiger als in Outletshops oder im Lagerverkauf der Hersteller. Diese Konkurrenz ist sogar gewollt: "Es ist eine Win-win-Situation für alle Seiten", sagt Sven van den Bergh, Chef des Shopping-Clubs Limango, der zur Otto-Gruppe gehört: Auch die Hersteller profitierten, weil sie über die Clubs in kürzester Zeit Überproduktionen oder Auslaufmodelle absetzen können. Ganz ohne dass der Otto-Normalkunde es merkt und ohne Edelklamotten auf Grabbeltische türmen zu müssen. Die Tiefstpreise der Clubs tauchen auch in keiner Suchmaschine auf. "Das schont die Marke und das Image – und bewahrt letztlich die hohen Preise", geben Hersteller unter der Hand zu. Nur öffentlich sagen sie das nicht gern.

Die Clubs geben sich dafür als geschlossenes System. Einkaufen darf nur, wer Mitglied ist. Und das wird nur, wer ein Mitglied kennt, so die Theorie. In Wirklichkeit ist es ziemlich einfach, in den Kreis der Vorzugskäufer zu kommen. Mancherorts bieten die Shop-Gründer an, Neumitglieder freizuschalten. Oder es reicht ein Mausklick auf ein altgedientes Mitglied, das prompt eine Einladung schickt. Und wenn ein Club erst mal Millionen Mitglieder hat, findet sich im Bekanntenkreis immer jemand, der schon drin ist.