Siehe da! Man kann von der griechischen Staatskunst etwas lernen. Seit dem Schock der Staatsschulden-Krise fährt die dortige Regierung einen Reformkurs ohne Rücksicht auf Lobbyisten. Und was es da für aggressive Lobbyisten gibt!

Erst streikten die Taxifahrer, weil sie keine Quittungen ausstellen wollten, dann verweigerten Staatsbedienstete die Arbeit, um gegen Lohn- und Rentenkürzungen zu protestieren. Ärzte behandelten nur noch Notfälle, Journalisten hörten auf zu schreiben.

Zuletzt versank das Land im Chaos, weil Tankwagenfahrer kein Benzin mehr brachten. Die Regierung aber bleibt auf Kurs.

Das ist ein guter Grund dafür, im September, wie angekündigt, auch die nächste Kredit-Tranche nach Athen zu überweisen. Neun Milliarden Euro sind dann von den EU-Mitgliedstaaten und vom IWF fällig, und die braucht das Land. Denn Sparwille hin und konsequente Regierungspolitik her: Volkswirtschaftlich gesehen, steht den Griechen gerade eine neue schwere Belastung bevor – eben weil die Sparpakete greifen. Erst in diesen Wochen spüren die Bürger ihre volle Wirkung. Sie dürften mit Konsumverzicht reagieren, die Wirtschaft könnte erneut in die Knie gehen, neue Arbeitslosigkeit droht.

Verglichen mit 2009, hat Finanzminister Giorgos Papakonstantinou die Ausgaben binnen sieben Monaten um fast sieben Milliarden Euro zurückgefahren. Um fast 40 Prozent, auf nur noch zwölf Milliarden Euro, schrumpfte das Haushaltsdefizit. Papakonstantinou geht bis an die Schmerzgrenze seiner Landsleute und darüber hinaus, jeder Grieche ist betroffen: 80 Prozent der Wähler sind mit seiner Politik unzufrieden. Besonders starke Wut erzeugen zum Beispiel die Ausgabenkürzungen im öffentlichen Dienst, wo nur jede fünfte frei werdende Stelle wieder besetzt wird und die Löhne um durchschnittlich 20 Prozent gesenkt wurden. Steuererhöhungen auf Genussmittel wie Tabak und Alkohol und die Erhöhung der Mehrwertsteuer sind schlecht angekommen. Erfolgreiche Betriebe zahlten zusätzlich über 800 Millionen Euro Steuern auf ihren Gewinn, Steuererstattungen wurden massiv zurückgeschraubt.

Doch ist es schwierig, die richtige Balance zu finden. Konsumverzicht und Steuerflucht sind zwei Erklärungen dafür, dass die griechischen Staatseinnahmen in den ersten sieben Monaten des Jahres um gerade vier Prozent gestiegen sind, 14 Prozent waren einkalkuliert. Vor allem Reiche rechnen sich arm: Da half bisher auch keine Hubschrauberüberwachung, die es auf Poolbesitzer, Jachtenkapitäne und Porsche-Fahrer abgesehen hat.

Der andere Grund ist die Rezession, die durch die Sparmaßnahmen der Regierung noch verschärft wird. Voraussichtlich um fünf Prozent wird die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte steigen. Für das vierte Quartal wird eine Arbeitslosenquote über 15 Prozent befürchtet, jeder vierte Jugendliche ist ohne Jobperspektive. Infolge der zusätzlichen Steuerbelastungen sind die Preise im Schnitt um fast fünf Prozent gestiegen. Das können die Bürger in diesen Zeiten nur schwer verkraften.