Rupert Murdoch ist an diesem Morgen gut gelaunt. Der Medienmogul hat eine lange, heftige Schlacht um das Wall Street Journal gewonnen und danach ein paar Wochen auf seiner Jacht Rosehearty verbracht, mit seiner jungen Frau Wendi. Nun – es ist der 12. September 2007 – betritt er zum ersten Mal die Büros seiner neuen Zeitung, im World Financial Center, direkt neben Ground Zero in Manhattan. Bei der ersten Konferenz geht es um eine neue Hochglanzbeilage, die dem Style Magazine der New York Times Konkurrenz machen soll. Murdoch sieht sich den Prototyp an und sagt laut der Reporterin Sarah Ellison: "Wir müssen herausfinden, wie wir die New York Times zerschlagen, wirklich zerschlagen können."

Murdoch, dieser knorrige, erzkonservative, irischstämmige Australier, ist der mächtigste Medienzar Amerikas. Oft wird er mit William Randolph Hearst verglichen, der einst Joseph Pulitzer niederrang. Murdoch, in dessen Medienimperium die Sonne nie untergeht, hat eine vierte nationale Fernsehanstalt in den USA geschaffen, sein Nachrichtenkanal Fox News hat CNN überholt, sein Studio 20th Century Fox produziert Kassenknüller. Das Wall Street Journal, mit zwei Millionen das auflagenstärkste Blatt der USA, hat er wohl erworben, um respektabel zu werden. Auch der New York Times- Verleger Arthur Sulzberger jr. wollte das Journal einmal kaufen, 2003, aber der damalige Eigner, die Bancroft-Familie, wollte es nicht aufgeben. Erst Murdoch brach den Widerstand, mit einem Fünf-Milliarden-Dollar-Angebot, weit über dem Marktpreis. Was will Murdoch denn noch? "Er will die New York Times", sagt sein Biograf Michael Wolff. "Sie ist sein weißer Wal."

Der Kampfansage hat der Mogul selbst überbracht, per Brief an Sulzberger, nach einer Party auf der Jacht von Barry Diller, dem früheren Vorstandsvorsitzenden von 20th Century Fox. "Let the battle begin", lass den Kampf beginnen, forderte Murdoch den Konkurrenten auf, am gleichen Tag, als er den Vertrag für das Journal unterschrieben hatte.

Seither hat Murdoch das Journal in den Wolkenkratzer von News Corp verlegt, gegenüber vom Rockefeller Center: graue Teppiche, Glas und Chrom, eine Nachrichtenzentrale mit riesigen Bildschirmen, intern "der Todesstern" genannt. Er hat einen neuen Chefredakteur installiert, Robert Thomson, der von seiner Londoner Times kommt. Und er hat einen neuen Lokalteil kreiert, Greater New York. Ein 15-Millionen-Dollar-Launch, 35 Lokalreporter, darunter viele von der rechtskonservativen, kurzlebigen New York Sun , ein halbes Hundert Anzeigenkunden: Bloomingdales, Saks, Bergdorf Goodman. Graue Eminenz ist Gerard Baker, Kolumnist der Londoner Times, der US-Präsident Barack Obama für einen "gefährlichen Linksradikalen" hält.

Rupert Murdoch gehört heute selbst zum New Yorker Adel

"Introducing Greater New York – ahead of the times" plakatiert das Journal in der U-Bahn, was heißt, "der Zeit voraus", oder aber: "besser als die Times" . Die Times konterte mit Plakaten: "Not just Wall Street – every street". Prompt verwendete das Journal den Slogan für die Eigenwerbung, was einen spitzen Brief einer Times- Anwältin provozierte. Die Times warb die Kunstredakteurin und den PR-Chef des Journal ab, das Journal druckte ein Foto von Sulzberger zu einem Artikel, wo es um feminine Männer ging. Aber trotz dieses Kleinkriegs: Das Journal ist die erste ernsthafte Konkurrenz für die Times, seit die New York Herald Tribune 1966 aufgab.

Am Central Park West liegt das Beresford, ein mächtiger Neorenaissance-Bau von 1928. Wer hier wohnt, gehört zur New Yorker Elite. Citibank-Chef Vikram Pandit zählt dazu, der Tennisspieler John McEnroe, Obamas Afghanistan-Beauftragter Richard Holbrooke, Filmproduzent Bob Weinstein und Stars wie Glenn Close, Diana Ross und Jerry Seinfeld. Die Lobby ist mit Orientteppichen Ledermöbeln, Kristallleuchtern und goldgerahmten Spiegeln ausgestattet. Eine Heerschar uniformierter Helfer nimmt die Tageszeitungen in Empfang. "Es kommen ein paar Dutzend Journals, und ein paar Financial Times, aber die New York Times bezieht hier jeder, wirklich jeder", sagt ein Helfer. "Das ist wie Kaffee. Und wenn sie nicht rechtzeitig kommt, beschweren sich die Leute sofort."