Milch von glücklichen Kühen, Natur pur, zurück zum Ursprung, gentechnikfrei, echt bio, Heumilch, alles öko und so weiter und so weiter – auch die Agrarbranche überflutet uns mit Werbung. Es wär ja schön, wenn alles stimmte, was da behauptet wird. Aber schon bei oberflächlicher Recherche wird klar: Werbung und Realität sind zwei ganz verschiedene Welten.

Oft findet man in der Werbung der Agrarbranche und Nahrungsmittelindustrie nicht einmal mehr das berühmte Körnchen Wahrheit, sondern nur schön verpackte Lügen. Die Folge ist, dass man sich als Konsument fragt, wem man noch glauben kann.

Wo immer mit Aussagen wie bio, öko oder gentechnikfrei geworben wird, sollte man vorsichtig sein. Denn gerade damit werden Konsumenten immer wieder auf perfide Art und Weise getäuscht. In den meisten Fällen geschieht dies ganz legal, denn viele Gesetze sind von vornherein so abgefasst, dass dem Konsumenten ein X für ein U vorgemacht werden darf.

Nehmen wir zum Beispiel das schöne österreichische Märchen vom Land ohne Gentechnik in der Landwirtschaft. Seit dem Anti-Gentechnik-Volksbegehren von 1997 berichten die Medien immer wieder von erfolgreichen Abwehrkämpfen gegen den Versuch multinationaler Konzerne, gentechnisch veränderte Pflanzen wie Mais oder Kartoffeln anzubauen. Österreich ist also, hurra, ein gentechnikfreies Land.

Tatsache ist, dass Gentechnik zwar nicht auf Äckern stattfindet, dafür aber massenhaft in den Kuhställen. Denn jeder konventionell arbeitende Milchbauer und Mastrinderzüchter darf ganz legal Kraftfutter verwenden, das aus gentechnischem Anbau stammt. Jedenfalls werden in Österreich 60.000 Tonnen davon an Milchkühe und weitere 50.000 Tonnen an Mastrinder verfüttert. Das sei in der Milch jedoch gar nicht nachweisbar, betont die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und verweist darauf, dass auf gentechnisch veränderte Futtermittel gar nicht verzichtet werden kann. Andernfalls würde die Milchmenge zurückgehen und der Schweine- und Hühnerbestand dramatisch sinken.

Die Folge wäre dann wohl, dass Österreich Milch, Fleisch und Eier importieren müsste, die ebenfalls nicht gentechnikfrei sind.

Österreich ist, was Gentechnik betrifft, ein Ausnahmeland. Das heißt, es gibt bei der Verwendung von Gentechnik in Nahrungsmitteln unendlich viele, gesetzlich erlaubte Ausnahmen. Laut Professor Klaus Dieter Jany, Abteilungsleiter an der deutschen Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe, werden heutzutage 60 bis 80 Prozent aller Produkte in deutschen Supermärkten mithilfe von Gentechnik hergestellt. In Österreich gibt es dazu keine entsprechenden Untersuchungen, aber man kann davon ausgehen, dass die Situation ähnlich ist.