Ständig bekommen wir zu dieser Rubrik Leserbriefe mit der Frage: "Warum testet Ihr nicht mal Fahrräder?" Ich muss die Absender enttäuschen: Auch dieser Autotest handelt von einem Auto, aber immerhin davon, welches das beste Begleitfahrzeug für Fahrradfahrer ist.

Seit einem Jahr bin ich Sportlerfrau. Ich gebe zu, dass mir diese Frauen, deren Anstrengung darin besteht, sich am Rande irgendwelcher Sportveranstaltungen die Beine in den Bauch zu stehen, um am Ende einen verschwitzten Mann zu umarmen, früher verachtenswert erschienen. Die nicht sehr intelligente Variante der Diplomatengattin: immer dabei, meist daneben. Im Spezialfall der Frau, die einem Rennradfahrer zujubelt, ist es noch schlimmer. Sie steht sich die Beine in den Bauch, ohne überhaupt irgendetwas zu sehen. Am Ende hat die Fahrerfrau eine Nackenstarre und befindet sich in einem LSD-artigen Rausch, weil sie stundenlang die Farben von Rädern, Trikots und Helmen verglichen hat, um rauszufinden, ob der Mann, den sie bejubelt, es über die Ziellinie geschafft hat. So eine also bin ich.

Die Autotests aus dem ZEITmagazin © Zeit Online

Ja, es ist ein geliehener Stolz, den ich zur Schau trage, aber nach meinem Geschmack fällt genug davon ab, um emotional über die Runden zu kommen. Fahrerfrau sein ist eine effiziente Art, für eine Leistung (mit-)bewundert zu werden, ohne selbst etwas zu tun. Zudem bietet die Existenz als Fahrerfrau interessante Aufstiegschancen. Als der Mazda CX-7 vor der Tür stand, bereit für den Urlaub mit Mann, Kindern und Rennrad, wurde ich zur Begleitfahrerin befördert. Bei der Tour de France sitzen in den Begleitfahrzeugen Ex-Radprofis, die das Auto fahren wie vorher das Rad: Sie drängeln und schneiden die Kurven, heimliche Helden der Piste. Aus den Fenstern reichen sie den Fahrern Trikots, Trinkflaschen, Müsliriegel und andere legale, vielleicht auch illegale Substanzen. Wer beim Profirennen Begleitfahrer sein will, braucht eine Lizenz. Und ein Begleitfahrzeug ist ein Statussymbol – ein Fahrer mit Begleitfahrzeug kann kein Amateur sein.

Südtirol also, Serpentinen fahren, anhalten, anfeuern, wieder überholen, der Sohn brüllt sich heiser, die Tochter reckt ihre geblümte Trinkflasche aus dem Fenster. Ich glaube, für mich hätte das der Beginn einer echten Karriere sein können. In einem anderen Auto. Sorry, aber zum Drängeln auf Passstraßen taugt der Mazda CX-7 nicht. Unelastische Gänge, hakelige Schaltung – das Timmelsjoch rauf war ich in Sorge, vom Fahrrad abgehängt zu werden, danach rollte ich heimlich und leise wieder runter. Ich fürchte, wie ein Statussymbol sahen wir nicht aus.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 127 kW (173 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h
CO2-Emission: 199 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 29.990 Euro

Tanja Stelzer ist Textchefin des ZEITmagazins