1. Mädchen sind in der Schule besser als Jungen

Die fleißigen Mädchen mit ihrer Schönschrift und den gemachten Hausaufgaben haben die Jungen mit ihrer Sucht nach Videospielen und Fußballwissen in Deutschlands Klassenräumen längst abgehängt. So weit das Klischee. Tatsächlich gab es einmal an Gymnasien einen Vorsprung für die Mädchen, die Jungen haben ihn aber wieder aufgeholt, das zeigen Zahlen der Forscher vom Hochschul-Informations-System (HIS). Im Jahr 2004 hatten Mädchen beim Abitur einen Schnitt von 2,33 – Jungen hingegen einen schlechteren Schnitt von 2,4. Zwei Jahre später – im Jahr 2006 – waren die Jungen mit einem Schnitt von 2,20 sogar ein wenig besser als die Mädchen mit einem Schnitt von 2,21. Und im Jahr 2008 hatte sich das Verhältnis wieder leicht zugunsten der Mädchen gedreht: 2,24 (Mädchen) im Vergleich zu 2,22 (Jungen). Mädchen sind zumindest in der Oberstufe nicht besser in der Schule als Jungen. Geht man davon aus, dass ein anderes Klischee stimmt – nämlich dass Naturwissenschaften an Schulen härter benotet werden als Sprachen und Kunst –, könnte man die aktuellen Zahlen sogar zugunsten der Jungen interpretieren, denn die demnach strenger zensierten Physik- und Chemie-Leistungskurse sind weiterhin fest in Knabenhand.

2. Frauen sind genauso ausgebildet wie Männer

Falsch! Betrachtet man die Gesamtbevölkerung, haben nur neun Prozent der Frauen einen Hochschulabschluss, aber 15 Prozent der Männer. Momentan sind sie es also nicht. Aber: Weil Mädchen an den Gymnasien mit rund 54 Prozent heute in der Mehrheit sind und mit rund 44 Prozent auch seltener die Hauptschule besuchen als Jungen, ist die Prognose berechtigt, dass Frauen in Zukunft sehr viel gebildeter sein werden als Männer. Ein anderes Vorurteil besagt, Frauen machten an den Universitäten die besseren Abschlüsse. Das wiederum ist so durch Statistiken nicht belegt. In den Rechtswissenschaften, in denen ungefähr gleich viele Frauen und Männer studieren, haben Männer laut den Tabellen des Statistischen Bundesamtes sogar die besseren Abschlussnoten. In den Wirtschaftswissenschaften fallen Männer eher durch extrem gute und extrem schlechte Noten auf, während die Frauen im Mittelfeld in der Mehrzahl sind. Ihre Leistungen streuen also weniger, sagen die Statistiker dazu. Ob Frauen indes insgesamt bessere Studenten sind als Männer, wird immer ein Geheimnis bleiben, weil ein Vergleich der Durchschnittsnoten verschiedener Fächer nicht sinnvoll ist. Was ist die Eins einer Frau in Germanistik, verglichen mit der Zwei eines Mannes in Informatik? Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht.

3. Frauen sind für alle Berufe qualifiziert

Das sind sie nicht (ebenso wenig übrigens wie die Männer). Während ungefähr gleich viele Männer und Frauen ihren Abschluss in Jura oder BWL machen, herrscht in den meisten anderen Fächern wie eh und je strikte Geschlechtertrennung. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes studieren Frauen immer noch bevorzugt Sprachen, Kunst und Literatur. Männer studieren Ingenieurfächer, Informatik und Physik. Auf einen Sprach- und Kulturwissenschaftler kommen in Deutschland drei Frauen mit demselben Abschluss. Auf eine Ingenieurin kommen fünf Ingenieure. Frauen haben damit leider eine Vorliebe für Berufe, die schlechter bezahlt werden: Ein Durchschnittsgermanist verdient nach zehn Jahren im Beruf 51300 Euro, ein Informatiker dagegen 70800 Euro – unabhängig vom Geschlecht.

Arbeitszeiten, Führungspositionen, weibliche Chefs

4. Berufstätige Frauen arbeiten genauso viel wie Männer

Dass Frauen absolut weniger Stunden arbeiten, weil sie öfter in Teilzeit beschäftigt sind, ist bekannt. Allerdings arbeiten Frauen auch ohne diesen Faktor weniger als Männer. Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes arbeiten alle Deutschen jede Woche etwas weniger, als in ihrem Arbeitsvertrag verlangt wird. Im Jahr 2009 betrug die pro Woche vom Arbeitgeber verlangte Arbeitszeit im Schnitt 35,7 Stunden, die Deutschen arbeiteten aber nur 32 Stunden. Frauen arbeiten dabei noch ein kleines bisschen weniger als Männer. Im Jahr 1991 blieben sie 2,3 Stunden hinter den Erwartungen zurück, Männer nur 0,8 Stunden. Im Jahr 2001 fehlten bei den Frauen 1,8 Stunden, bei den Männern nur 0,3 Stunden. Im Jahr 2009 hat sich das Verhältnis erstmals in 20 Jahren zugunsten der Frauen gedreht. Die Männer arbeiteten 3,8 Stunden zu wenig, bei den Frauen fehlten nur 3,2 Stunden. Grund könnte die Wirtschaftskrise sein, die besonders die von Männern dominierten Branchen stärker getroffen hat. Laut der gerade erschienenen Studie Wer führt in (die) Zukunft? der Hamburger Wirtschaftswissenschaftlerin Sonja Bischoff arbeiten sogar Managerinnen weniger als ihre männlichen Kollegen. Bischoff hat weibliche Führungskräfte über mehr als 20 Jahre hinweg befragt. 1986 arbeiteten 40 Prozent der Frauen weniger als 50 Stunden die Woche. 2008 waren es bereits 71 Prozent – unter den Männern nur 46 Prozent. Das, so Bischoff, könne schlechterdings allein an den 14 Prozent in Teilzeit arbeitenden Managerinnen liegen. Eine mögliche Erklärung: Während sich laut Deutschem Institut für Wirtschaft (DIW) nur 20 Prozent der Führungskräfte insgesamt an der Hausarbeit beteiligen, sind es unter den weiblichen Spitzenmanagern 59 Prozent.

5. Frauen streben genauso in Führungspositionen wie Männer

Die sprichwörtliche gläserne Decke: Man stellt sie sich als talgverschmierte Scheibe vor, gegen die Frauen ihre Nasen drücken, um voller Sehnsucht das Treiben in der Männerwelt der Chefetage zu beobachten. So weit die Fantasie, die Realität sieht anders aus. Sonja Bischoff hat in ihrer Studie seit 1986 Frauen im mittleren Management der deutschen Wirtschaft befragt. Von den Frauen, die später Chefinnen wurden, hatte zu Beginn der Karriere nur ein Fünftel eine Führungsposition angestrebt. Unter den Männern, die es nach oben schafften, waren es zwei Fünftel. Umgekehrt sagten 30 Prozent der weiblichen Manager, dass sie zu Beginn ihrer Karriere eine Führungsposition nicht in Erwägung gezogen hätten. Unter den Männern berichteten das von sich nur 18 Prozent. Für die Brigitte- Studie 2009 wurden rund 1000 Männer und Frauen gefragt, was es für sie bedeutet, in unserer Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen. Nur 61 Prozent der Frauen sagten: "eine berufliche Führungsposition einzunehmen". Das Gleiche antworteten hingegen 70 Prozent der Männer. Offenbar ist es Frauen also tatsächlich weniger wichtig, Chef zu werden, als Männern.

6. Weibliche Chefs sind schlecht für die Rendite

Mit viel Mühe könnte man rationale Gründe für dieses Vorurteil suchen. Vielleicht ist dem weiblichen Geschlecht eine gewisse Sanftheit eigen, die es ihm erschwert, im Geschäftlichen hart zu verhandeln? Vielleicht sinkt mit einer Chefin an der Spitze der Gewinn eines Unternehmens, weil Frauen sich in ihrer Menschlichkeit eher dem gemeinnützigen Ansatz verpflichtet fühlen als dem kalten, männlichen Profitstreben? Alles falsch! Das Gegenteil ist der Fall. Die Unternehmen mit dem höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen in Europa hatten in den Jahren 2003 bis 2005 einen um 48 Prozent höheren Gewinn (Ebit) als der jeweilige Branchendurchschnitt. Das hat eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey unter allen börsennotierten Großunternehmen in Europa ergeben. Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Accenture kommt zu dem gleichen Ergebnis: Je höher der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit Personalverantwortung klettert, umso stärker steigt auch der Profit. Accenture hatte die 358 größten Unternehmen aus 24 Ländern Europas analysiert. Die Studie geht davon aus, dass jede Form von Diversität zum Unternehmenserfolg beiträgt. Auch Unternehmen mit einem hohen Anteil an internationalen Mitarbeitern waren insgesamt deutlich erfolgreicher als die nur von Einheimischen geführten Firmen.