Intelligenz hat mit Unterscheidungskraft zu tun: Was gehört zusammen, was auseinander? In diesem Sinne mag der IQ-Verlust, den Thilo Sarrazin den Deutschen androht, schon eingesetzt haben, jedenfalls in der Hitze des Gefechts.

Wieso ist es "Antisemitismus" (Westerwelle), wenn einer behauptet, Juden teilten ein "bestimmtes Gen"? "Ein" Gen ist zwar Unsinn, aber es gibt genug Studien, wonach sich Juden in diversen Diaspora-Gruppen genetisch sehr wohl von Nichtjuden in der jeweiligen Region unterscheiden. Kein Wunder auch, wenn eine Gruppe die Endogamie selber wählt oder sie erleiden muss. "Tay-Sachs" ist eine klassische jüdische Erbkrankheit, analog zur "Lippe" der Habsburger. Antisemitismus ist es, wenn man Israelis als "neue Nazis" bezeichnet, wie hierzulande tausendfach geschehen.

Eine Feststellung ist richtig oder falsch, aber kein "Rassismus". Sie kann sehr wohl eine "Provokation" (Guttenberg) sein oder "rote Linien" überschreiten (Zentralrat der Juden), doch sind das Reflexe, keine Urteile über den Wahrheitsgehalt. Ähnlich die Kanzlerin, die als "vollkommen inakzeptabel" die Ausgrenzung und Verächtlichmachung "ganzer Gruppen" geißelt.

Roland Koch kommt dem Kern mit dem Wörtchen "Tabubruch" schon näher. Das heißt, Sarrazin redet, worüber man nicht reden darf. Jede Gesellschaft, egal wie aufgeklärt, hat Tabus. In unserer Zeit, in der wir uns zu Recht des Rassismus’ und Kolonialismus’ schämen, ist das mächtigste Tabu die Zuweisung von (negativen) Gruppeneigenschaften, es sei denn, man hängt sie sich selber an, wie in: "So sind die Deutschen."

Was hilft es aber, wenn die Gruppen A, B und C tatsächlich eine signifikante Häufung von Schulabbruch, Gewalttätigkeit und Integrationsverweigerung aufweisen? Wer Pathologien leugnet – die Zahlen hat Sarrazin nicht erfunden, sondern kompiliert –, kann sie logischerweise nicht heilen.

Hier aber begönne die eigentliche Auseinandersetzung mit Deutschland schafft sich ab. Sie erfordert allerdings die Kenntnis von Genetik, Statistik und IQ-Studien sowie von der Auswirkung der Familienkultur, der Sozialhilfe und des Marktes, der immer weniger Raum lässt für Niedrigqualifizierte. Zu viel der Ehre? Dann kehren wir die Beweislast um und fragen Sarrazin: "X Prozent von A sind so, wie Sie sagen, aber was folgt daraus?"

Alle raus? Keiner mehr rein? Absurd. Gebärprämien für "weiße Frauen" und noch eine obendrauf für Frau Doktor? Demografie ist komplizierter. Kleidungsverbote? Die überlassen wir Iran. Sozialhilfeentzug, Trennung der Kleinkinder von ihren falsch erziehenden Eltern? Dann aber bitte gerecht, auch bei den "echten" Deutschen, und ein paar Verfassungsbrüche mit dazu. Ganz schlicht: Aus dem Faktum "x Prozent von A" folgt rein gar nichts für den Umgang mit der gesamten Gruppe, geschweige denn mit dem Einzelnen.

Just solche Folgerung aber suggeriert das Buch und befördert damit die kollektive Verdummung, die es voraussagt. Doch hilft gegen die Torheit kein Exorzismus, der mit dem Ärgernis auch den intelligenten Streit um Einwanderung und Integration austreibt. Wer ein Tabu aufstellt, befiehlt dem Hirn: Bis hierher und nicht weiter!