Die Debatte um die Erblichkeit von intellektuellen Unterschieden und um soziale Integration hat eine lange Geschichte. Der Brite Francis Galton wandte Darwins Evolutionstheorie auf Intelligenz an und wurde zum Begründer der Eugenik. Galton erforschte Hochbegabung empirisch und postulierte 1865 die Erblichkeit der Intelligenz. Galton scheute sich nicht, Fortpflanzungrestriktionen für die feeble-minded zu fordern, um deren Ausbreitung zu verhindern.

Im deutschen Kaiserreich und der Weimarer Republik erkoren völkische Propagandisten polnische Einwanderer zur Gefahr. Selbst der Soziologe Max Weber unterstützte die "Verdrängungstheorie", die besagte, dass die Zunahme der im "Kulturniveau" niedrig stehenden Slawen zu einer gefährlichen "Polonisierung" des deutschen Volkes führen werde. Es folgte eine rigide Abwehr, schreibt der Migrationsforscher Klaus Bade: Familien wurden getrennt, Schwangere vor die Alternative Abtreibung oder Ausreise gestellt. Galtons Ideen wurden in der Folge nicht nur von den Nazis für unsägliche Verbrechen missbraucht.

Bis 1945 unterhielten selbst viele Demokratien eugenische Programme, in denen Hunderttausende Menschen zwangssterilisiert wurden. Über die Erblichkeit geistiger Fähigkeiten gestritten wurde auch nach Kriegsende. So waren die Studien des US-Forschers Arthur Jensen zu erblichen Intelligenzunterschieden zwischen Asiaten, Europäern und Afrikanern hoch kontrovers. Einen Gelehrtenkrieg entfesselte 1994 das Buch The Bell Curve von Charles Murray und Richard Herrnstien. Sie versuchten, Arbeitslosigkeit, Schulversagen, Armut und andere soziale Probleme mit einem (erblich!) niedrigen IQ zu erklären – und dass die Sozialpolitik, etwa die Unterstützung lediger Mütter, zu einer stärkeren Vermehrung von Menschen mit niedrigem IQ führe. Mehr noch: Diese Gruppe sei in einem Kreislauf gefangen, weil ihre Intelligenz durch Bildung kaum erhöht werden könne.