Die Frage: Klaus und Maria sind ein fast glückliches Paar. Klaus ist stolz auf seine attraktive Frau; Maria bewundert ihren beruflich erfolgreichen Partner. Sie haben zwei Kinder und sind manchmal zufrieden, dass sie eine große Krise zwischen dem ersten und zweiten Kind überstanden haben.

Damals fühlte sich Maria vernachlässigt und fing eine Liebschaft an. Sie gestand Klaus den Seitensprung. Das ist acht Jahre her, angeblich längst verziehen, und doch immer wieder Anlass für heftigen Streit. Immer wieder reibt Klaus Maria ihre Untreue unter die Nase oft gerade dann, wenn Maria sich mit ihm sehr innig fühlt. "Was, du willst in diese Ausstellung? Weiß ich, wen du da wieder triffst!", sagt er etwa. Maria wird dann sehr wütend – wie soll sie bei einem Mann bleiben, der verspricht zu verzeihen und sich nicht dran hält?

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Paare unterschätzen ihre Fähigkeiten, mit einer Kränkung fertig zu werden. Sie trennen sich beim ersten Streit und vermissen den Partner, wenn er verloren ist. Andere, zu denen Klaus und Maria gehören, können einander nicht wirklich verzeihen, obwohl sie gerne von sich glauben würden, dass sie über ihren Empfindlichkeiten stehen.

Es ist lieblos von Klaus, Maria vor den Kopf zu stoßen. Aber es ist auch nachfühlbar: Er kann die Kränkung nicht vergessen, und die Eifersucht plagt ihn besonders, wenn er ihr ganz nahe war. Maria ihrerseits sollte sein Versprechen kritischer sehen, alles sei wieder gut. In ihrer Wut über sein nachtragendes Temperament übersieht sie, dieses freundlicher zu deuten: als Beweis, wie sehr er an ihr hängt, und als ziemlich verqueren Wunsch, sich ihrer zu versichern.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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