Immer weitermachen. Einfach so tun, als ob nichts geschehen sei, einfach die Ohren zuhalten. Wer denkt, dass die Regierung den Wiederaufbau des Berliner Schlosses durch ihren Sparbeschluss vom Juni vorerst gestoppt hat, der irrt gewaltig. Der Planungsprozess läuft auf Hochtouren: Am vergangenen Wochenende wurden im Kronprinzenpalais Unter den Linden die vier Siegerentwürfe aus dem Wettbewerb für die Ausstellungsgestaltung im Humboldt-Forum präsentiert. Dort kann man bis zum 19. September in Glaskästen eingesperrte Artefakte sehen, die lustig in Räume hingewürfelt sind, oder auch den sogenannten Traveller begutachten – eine Schwebebahn für afrikanische Skulpturen. Die Entwürfe bringen die Diskussion darüber, was das Humboldt-Forum überhaupt sein soll, wahrscheinlich allein schon durch die Konkretion der Zeichnungen ein wenig weiter. Zugleich beweist auch dieser Wettbewerb ein weiteres Mal, wie grundsätzlich vermurkst das Projekt Schlossaufbau ist.

Das fängt schon damit an, dass sich zu Wettbewerbsbeginn im März überhaupt nur 89 Büros für die Unterlagen der Ausschreibung interessierten. Und von diesen 89 lieferten dann nur klägliche 16 Büros Entwürfe ab. Der großen Mehrheit der Architekten schien die Aufgabe, die Innenräume eines der wichtigsten Bauten des Bundes zu gestalten, offensichtlich zu kompliziert. Schuld an der Ohnmacht mögen die unausgegorenen Vorstellungen von der Funktion des Humboldt-Forums sein. Vor allem aber ist es Franco Stellas Entwurf für das Schloss und dessen Raumaufteilung, die abschrecken. Es kann, so das Motto der sich verweigernden Mehrheit der Raumplaner, keine richtige Architektur in der falschen geben.

Und so hat auch keiner der jetzt prämierten Entwürfe die Jury wirklich überzeugt, alle müssen überarbeitet werden: Die Simulationen des Londoner Büros Appelbaum lassen nicht an ein Museum, sondern an ein mondänes Warenhaus denken; Raumkontor aus Düsseldorf will die langweiligen, zugepfeilerten Stella-Räume durch Vitrinenwände so klein hacken, dass man kaum noch Schulklassen hindurchmanövrieren könnte; Merz Sauter Zimmermann haben lustige Piktogramme abgeliefert, doch die "glaubhafte Umsetzung" ihrer "seltsam unscharfen" Räume, so die Jury, "bleibt das Konzept schuldig"; und wenn es nach Iglhaut + von Grote aus Berlin ginge, dann schwebten die Schätze der Außereuropäischen Sammlungen in Zukunft an einer durch das Gebäude kurvenden Schiene umher, dem besagten Traveller – vor dem fürchten sich die Konservatoren schon jetzt.

Auch wenn die Museumsleute sich nach der Präsentation der schütteren Wettbewerbsergebnisse noch weniger mit der Idee des wieder aufzubauenden Schlosses anfreunden können, so bedeutet das Humboldt-Projekt für sie doch die Chance, aus ihrem dringend sanierungsbedürftigen und besucherarmen Haus in Dahlem zu entkommen. Und deswegen halten sie das vermurkste Projekt am Laufen. Stoppen kann das fortgeschrittene Debakel sowieso nur der Bundestag. Er müsste seinen Beschluss zum Bau des Humboldt-Forums in der Hülle des Schlosses revidieren. Dann könnte man in Berlin ganz entspannt ein neues Völkerkundemuseum planen, an welchem Ort auch immer. Ein Museum für eine der größten und prächtigsten ethnologischen Sammlungen der Welt. Ein Museum, in dem der Blick auf die Objekte nicht von einer kleinlichen Architektur eingeengt wird.