Mit der Büchse im Anschlag in einem Landrover durch Afrika reisen, das kann jeder, der ein entsprechendes Safari-Paket im Reisebüro bucht. Wie viel schwieriger wird es jedoch für den, der zwischen den Trophäen über seinem Kamin noch eine freie Stelle für ein Murmeltier hat.

Ich habe nicht einmal einen Kamin (die Burg ist denkmalgeschützt und unterversichert) und jage dem Murmeltier seit Jahren erfolglos hinterher. Ratten habe ich in flandrischen Kneipen erwischt, den Haggis nach tagelanger Verfolgungsjagd in Schottland aufgespürt, und der Wal schwamm mir in Island als Steak vor die Gabel. Doch das Murmeltier sah ich immer nur scheu neben seinem Bunker auf den Almen des Engadins, also in der Schweiz, stehen. Es grinste und verschwand, sobald ich das Katapult entsicherte.

"Jenseits der Grenze haben Kollegen das Murmeli gelegentlich auf der Karte", informierte mich Roland Jöhri, mein Engadiner Lieblingskoch. Jenseits der Grenze ist Italien. Also buchte ich eine Safari in Südtirol.

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Hinter dem Brenner stieß ich als Erstes auf den Elephant in Brixen. Eine Verwechselung mit dem Murmeli ist ausgeschlossen. Dieser Elefant hat auch nichts mit Hannibal zu tun, der die Alpen woanders überquerte. Der Elephant ist ein schmuckes Hotel, in dessen Gaststube ich vor Jahren unvergesslich leckere Schlutzkrapfen gegessen habe. Damals wussten nur wenige, dass der Kardinal Ratzinger hier gerne Ferien machte. Ob er wegen der Krapfen kam, weiß man nicht. Diesmal waren sie leider nicht erwähnenswert.

Südtirol ist ja das Musterländle Italiens. Während Rom pleite ist, ist Südtirol fast schuldenfrei, die Arbeitslosigkeit ist so gering, dass sie sich kaum zählen lässt. Ist es auch kulinarisch ein gutes Fleckchen Land? Brixen jedenfalls ist eine hübsche Stadt mit vielen Geschäften in den Laubengängen (Backstube Profanter!, Ignaz-Seidner-Str. 28) und Weinkneipen, die den Restaurant-Status selten erreichen.

Von Brixen fahre ich an Bozen vorbei bis nach Margreid, wo ich im Hotel Laurin eine Suite bestellt habe. Margreid liegt wie Eppan, Kaltern und Tramin an der Südtiroler Weinstraße und beherbergt eines der besten Weingüter des Landes: Lageder. Und dort, zwischen den Renaissancegebäuden des Gutes, hat das Hotel Laurin eine Suite ausgelagert, mein Tagesziel.

Das Etschtal ist an dieser Stelle breit, nicht romantisch, und pittoresk nur in den Weindörfern. Hier einen Doppelcontainer mit hundert Jahre alten Möbeln und hypermodernen Installationen als Hotelsuite zu errichten ist eine exzentrische Idee. Sie passt zu Alois Lageder, der seinen Flaschenkeller mit Musik beschallt und seine Rebberge biodynamisch bewirtschaftet.

Die Küche dort in der Degustierstube Paradeis? Ist in der Aufbauphase. Aber die Spätburgunder der Lage Krafuss entschädigen für den Salzmangel der Gemüsegerichte.

Parkhotel Laurin, Suite in Margreid, 320 Euro, Tel. 0039/0471-311000