Ständige Mahnung – Die argentinische Kalebasse mitgebracht von Karin Ceballos Betancur

Zu den wunderbarsten Ritualen der Welt gehört der argentinische Brauch des Mateteetrinkens. Im Wohnzimmer, im Park oder am Strand gießt der Zeremonienmeister heißes Wasser in eine Kalebasse mit getrocknetem Mate-Kraut, der yerba mate. Dann reicht er das Gefäß an den Nebenmann weiter, der den Tee durch einen Metallstrohhalm, die bombilla, saugt, bis ein röchelndes Geräusch das nahe Ende ankündigt. Anschließend gibt er die Kalebasse zurück, der Zeremonienmeister gießt erneut auf. Und der Nächste bekommt seinen Tee.

Ich liebe dieses Ritual. Seine Intimität, die großzügige Selbstverständlichkeit, mit der die bombilla gemeinsam genutzt wird, den alltäglichen Umgang mit einem uralten Arrangement. Es gibt nur eines, was ich nicht mag: Matetee. Geschmacklich erinnert das Getränk an aufgebrühtes Heu, auf dem sich zuvor über Wochen eine Rinderherde erleichtert hat. Genießbar ist Matetee im Grunde nur mit jeder Menge Honig, um den ich mich selten zu bitten traue, wenn der Rest der Runde männlich und traditionell auf bitter, amargo, macht.

Allerdings finde ich, dass man sich im Leben auch mal zusammenreißen können muss. Und ich bin wild entschlossen, das Zeug eines Tages ebenso zu lieben wie das Ritual. Um mich bis dahin bei Laune zu halten, kehre ich aus Argentinien stets mit einer neuen, schicken Kalebasse und einem Kilo Mate zurück und starte einen neuen Versuch. Inzwischen habe ich so viele Kalebassen im Schrank, dass man die Dinger nicht mal mehr rumreichen müsste. Und es gelingt mir immerhin, zum Mateteetrinken ein Gesicht zu machen, das meinem Umfeld nicht den Appetit raubt. Trotzdem bleiben die Mitstreiter aus, was schade ist, aber kein Grund zur Kapitulation. Selbstüberwindung ist ein einsames Geschäft.