Nach vier Jahrzehnten im Geschäft weiß Christian Bode, was er von Journalisten zu erwarten hat. "Schreiben Sie bloß nicht, hier trete ein Fossil ab, sozusagen der letzte seiner Art, der es in die Gegenwart geschafft hat." Als er das sagt, steht der Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes auf dem Balkon der Berliner DAAD-Dependance, sechs Stockwerke über dem Gendarmenmarkt. In seiner Hand hält er eine Zigarette, er ascht in ein leeres Päckchen Kaffeesahne. Der knapp 68-Jährige ist es gewohnt, dass die Dinge so gemacht werden, wie er sie haben will. Auch darum ist der DAAD geworden, was er heute ist: die größte Austauschorganisation der Welt , die jedes Jahr 25.000 Studenten und Absolventen ins Ausland schickt und 40.000 empfängt.

In wenigen Wochen, am 30. September, endet die Karriere eines der einflussreichsten Wissenschaftsmanager der Bundesrepublik. Und auch wenn Bode nicht als der Letzte seiner Art gelten will: Die Pensionierung des gelernten Juristen markiert zweifelsohne den Abschied von einer Ära – und das nicht nur beim DAAD: Sie geht auch anderswo vorbei, die Zeit der mächtigen Verwaltungschefs, die den deutschen Hochschulen und Bildungsorganisationen ihren Stempel aufgedrückt haben.

Sicher, es gab über ihnen noch die Präsidenten, doch die kamen in der Regel aus dem Wissenschaftsbetrieb und kehrten nach ein paar Jahren dorthin zurück. Über das Know-how, die Kungeleierfahrung und die Kontakte ihrer Verwaltungschefs verfügten sie nur selten – mit der Folge, dass sie die Entscheidungen der Herrscher aus der zweiten Reihe oft nur noch abnicken konnten.

Doch so wie an den Universitäten die Kanzler mittlerweile immer mehr von ihrer Macht an eine neue, machtbewusste Generation von Hochschulrektoren abtreten müssen, passiert es jetzt auch mit den Generalsekretären der Wissenschaftsorganisationen, die vielfach nur noch die Helfershelfer ihrer inzwischen selbst Strippen ziehenden Präsidenten sind. Präsidenten wie Sabine Kunst, die seit vier Jahren die Universität Potsdam leitet und sich dort bereits einen Namen als entschiedene Reformerin gemacht hat. Seit Kurzem steht sie auch an der Spitze des DAAD, und auch wenn es sich um ein Ehrenamt handelt, wurde schon bei einem ihrer ersten Auftritte als Präsidentin der Austauschorganisation klar, welchen Kurs sie fahren wird: Ein Tag im Juli, Kunst sollte vor Journalisten über die Schwerpunkte reden, die sie in ihrem Amt setzen will. Plötzlich redete vor allem der Noch-Generalsekretär Bode – fachkundig wie immer, ironisch und gelegentlich ein bisschen besserwisserisch.

Doch was in der Vergangenheit immer hingehauen hatte, funktionierte mit der blonden Norddeutschen nicht: Sie widersprach Bode, als der sagte, die Studenten sollten sich mal nicht so haben, wenn ihr Studium wegen eines Auslandsjahres etwas länger dauere. "Wir Hochschulen stehen in der Pflicht, alles zu tun, dass es zu keinen verlorenen Semestern kommt, wir müssen akzeptieren, dass das den Studenten heute extrem wichtig ist." Ein Seitenblick der Präsidentin zu Bode, und die Hackordnung war hergestellt.