Der Experte beschwört seinen Chef: "Das Produkt ist noch nicht marktreif, glauben Sie mir!" Doch der Chef hält es mit Winston Churchill: Er nimmt die Aussage seines Spezialisten zur Kenntnis, aber er nimmt sie nicht ernst. Bedenkenträger hier, Schlipsträger dort: Der Graben zwischen Fach- und Führungskräften ist breit wie der Grand Canyon.

Der Experte wird das Gefühl nicht los, den Chef kümmerten die Feinheiten seiner Arbeit nicht (was stimmt!); und der Chef wird das Gefühl nicht los, der Experte schere sich nicht um die Zusammenhänge (was ebenfalls stimmt!).

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Diese Differenz hat eine natürliche Ursache. Denn woran wird eine Fachkraft gemessen? Vor allem am Fachwissen. Und woran eine Führungskraft? Vor allem am Gesamtergebnis. Der Chef dirigiert das Orchester und hört das ganze Stück. Die Fachkraft spielt ein Instrument und fixiert ihr Notenblatt.

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Kluge Experten schauen über den Rand der eigenen Arbeit hinaus: Welche Ergebnisse sind wichtig für den ganzen Bereich und die Firma (einfach mal nachfragen!)? Welche Rolle spielt meine Arbeit dabei? Worauf muss ich achten, um den größten Gesamtnutzen zu bieten? Zum Beispiel kann es intelligent sein, bei Produkten ein Fehlerchen zu tolerieren, sofern der Markt es akzeptiert – statt das gelungene Firmenkonzert durch Protestrufe zu stören.

Aber Achtung! Wer jahrzehntelang als Spezialist auftritt, dem geht es wie Pierre Brice mit Winnetou: Die Rolle bleibt an ihm kleben; als Chef wäre er nicht mehr glaubwürdig. Für einen Aufstieg sollten Sie Ihre Führungsqualitäten schnell in der Fachrolle beweisen . Zum Beispiel indem Sie Ergebnisse nicht nur erzeugen, sondern sie beim Meeting selbst präsentieren – und dabei rhetorische Kompetenz beweisen.

Indem Sie nicht nur Ihre Tagesarbeit verrichten, sondern auch Strategiepapiere für die Zukunft schreiben – und dabei Weitblick zeigen. Indem Sie Ihre Facharbeit nicht im Alleingang erledigen, sondern delegieren und Teams koordinieren – und so Führungskompetenz beweisen.

Ein solcher Spezialist ragt über seine Fachposition so weit hinaus, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: Die Firma macht ihn um einen Kopf kürzer – was unklug wäre. Oder sie befördert ihn – was klug ist und wahrscheinlich. Denn Spezialisten werden in Zukunft immer begehrter sein. Das zumindest ist meine Prognose. Als Karriereexperte. Ob Churchill mir glauben würde?