In diesen herrlichen Spätsommertagen hat man angesichts der Landschaft um Twann, Ligerz und Tüscherz-Alfermée das Gefühl, Gott müsse ein guter Kerl gewesen sein. Wenn man vom Schiff aus schaut.

Wandert man aber durch die einzigartigen Weinberge am linken Ufer des Bielersees, ist irgendetwas anders. Am Wegesrand, inmitten dieser nationalen Schutzlandschaft, sieht man immer wieder neue riesige Mauern, gefertigt aus großen hellgelben Steinbrocken stehen sie da, als seien sie vom Himmel gefallen. Ja, es sind hässliche Mauern. Die Fugen mit Beton ausgegossen, die Kronen mit einer klobigen Metallkonstruktion versehen, damit die Weinbauern hier auch ungefährdet parken können. Ein seltsames Gegenstück zu den vielen Trockenmauern, die sich so wunderbar in die Gegend einpassen und Flora und Tierwelt einen Lebensraum geben.

Was ist geschehen? Man wollte etwas Gutes tun, das ist geschehen. Eine Melioration, also eine Güterzusammenlegung der verstückelten Rebparzellen sollte eine effizientere Bewirtschaftung der Weinberge ermöglichen. Das Rebgebiet weist neben den Steillagen im Wallis und im Dézaley die höchsten Produktionskosten der Schweiz aus. Mit den Maßnahmen der Güterzusammenlegung sollen diese Kosten, die bei rund 50.000 Franken pro Hektar und Jahr liegen, um 10 bis 20 Prozent reduziert werden. Andernfalls fürchten die Weinbauern um ihre Existenz. "Es muss ja auch noch jemand einen ökonomischen Nutzen von dieser Arbeit haben. Das hier ist eine lebendige Kulturlandschaft, kein Museum", sagt Martin Hubacher, Weinbauer und Vorstandsmitglied der Genossenschaft für die Güterzusammenlegung.

Und sie machten alles vorbildlich. Die Landbesitzer setzten sich zusammen und schauten, wer wem was abgeben wollte. Es gab fast keinen Streit, und kein einziger Quadratmeter des über hundert Hektar großen Kulturlandes ging verloren. Gut, die jahrelange Übung kostete Bund, Kanton und die direkt Beteiligten rund 15 Millionen Franken an Planungs- und Baukosten. Aber es war ja für eine gute Sache.

Bloß muss, wer effizienter wirtschaften will, auch größere Gerätschaften in die Reben bringen. Zu diesem Zweck baute man besagte Stützmauern und breite Zufahrtsrampen, die man mit Beton ausgoss. Schön ist das nicht. Aber billiger als Trockenmauern, die viel Zeit, viel fachliches Können benötigen – und deshalb natürlich drei- bis viermal teurer sind als die jetzt stehenden sogenannten Zyklopenmauern.