"Eins-zwei-eins-zwei-eins-zwei… und jetzt einen Zentimeter aus dem Sattel…" Brav erheben sich die vier Männer auf Anweisung der Trainerin aus dem Sattel und strampeln wie verrückt im Stehen. Draußen knallt die Sommersonne auf die Fassade des Unilever-Neubaus in der Hamburger Hafencity, unten auf der Terrasse sitzen immer noch ein paar Touristen und staunen über den großartigen Elbblick und den futuristischen Bau. Sie brauchten nur ein klein wenig den Blick zu heben und könnten zuschauen, wie der Unilever-Chef für die Fitness schwitzt.

Mittwochabend, 18 Uhr, erster Stock in der Deutschland-Zentrale von Unilever an der Elbe. Einmal die Woche trifft sich die Geschäftsleiterrunde zum gemeinsamen Spinning im hauseigenen Fitnesscenter. Das riecht ein wenig nach Zwangsbeglückung, aber die mitmachenden Manager verneinen. Die Idee habe man gemeinsam gehabt, die Geschäftsleitung müsse fit sein. Natürlich rede man dabei auch über die Arbeit, aber vorrangig sei der Spaß. Oder mit den Worten eines etwas schnaufenden Harry Brouwer: "Das ist doch einfach superlüstig hier."

Lüstig statt lustig, sagt Harry Brouwer, und Ünilever statt Unilever. Er kommt aus den Niederlanden und spricht mit Rudi-Carrell-Akzent. Dazu ein fast verbotener Charme, einen braun gebrannter George-Clooney-Comer-See-Teint und ein Händedruck, der sagt: "Jungs und Mädels, mit mir könnt ihr Pferde stehlen."

Aber zum Pferdestehlen hat man Harry Brouwer nicht aus den Niederlanden geholt – der 52-jährige Markenprofi soll Unilever nach vorn bringen im Kampf um Markenanteile im Konsumgütergeschäft. Dort weht eine steife Brise. Oder, wie es ein Verbandssprecher sagt: "Der Kampf draußen ist knüppelhart."

Gegen die Macht der Handelsketten kommt der Konzern nur schwer an

Rabiater Wettbewerb herrscht vor allem für die Produzenten von Markenartikeln, wie Unilever einer ist. Zum Angebot des weltweit drittgrößten Konsumartikelherstellers zählen Traditionsmarken wie Knorr, Rama, Dove, Langnese, Axe und Pfanni. In einer der heißen Juliwochen verkaufte Unilever in Deutschland 11,5 Millionen Stück von seinem Magnum-Eis.

Der Preisdruck ist gewaltig. Wo die Produzenten früher zwischen vielen kleinen und großen Einzelhändlern wählen konnten, stehen ihnen heute wenige Riesen gegenüber: Rewe, Edeka, Tengelmann, Lidl, Metro und Aldi. Wer bei denen seine Produkte unterbringen will, muss sich oft einem Preisdiktat beugen. In kaum einem anderen Land in Europa sind die Konsumentenpreise so günstig wie hier.

Seit April 2009 ist Harry Brouwer Chairman von D-A-CH, so die griffige Abkürzung für Unilever Deutschland, Österreich und Schweiz, mit einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro.