Viel ist in diesen Tagen davon die Rede, Thilo Sarrazin werde nach seinem Rauswurf aus der SPD eine neue Partei gründen. Unter treuherziger Verwendung von Originalzitaten stellen wir uns vor, wie seine Partei "Freiheit und Zukunft für Deutschland" (FUZ) zum ersten Mal zusammenkommt.

Ein Sonntagmorgen in Dresden. Weiträumig hat berittene Polizei die Semperoper abgesperrt und als Muslime verkleidete Demonstranten an das andere Elbufer verbannt, wo sie von taz- Reportern erstbetreut werden. Der Andrang ist riesig, grau melierte Herren mit handgenähten Einstecktüchlein begehren Einlass. Auch viele SPD-Wähler strömen herbei, verbergen ihr Gesicht aber hinter Lidl-Tüten. Nach dem Mittagsmahl (Alemannische Rouladen vom Todtnauberger Weideochsen) verliest Arnulf Baring eine Grußadresse von Wolfgang Clement, danach hält der Medienphilosph Norbert Bolz die mit Spannung erwartete Gründungsrede. Bolz, schwarzer Maßanzug mit aparten Lodenapplikationen, nennt Sarrazins Buch ein "Geschichtszeichen". Ab sofort lasse sich das Volk nicht mehr von arroganten Jakobinern in den Feuilletons den Mund verbieten. "Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit. Das mächtige Tabu über einer politischen Rechten kann nur durch ein Coming-out der Starintellektuellen gebrochen werden." Seine Schlusssätze gehen im Jubel unter: Was die Linke angehe, "setze ich auf eine biologische Lösung. Irgendwann sind die tot." Während Abgesandte des Internetmagazins Perlentaucher ihn noch um ein Autogramm bitten, enthüllt Necla Kelek bei gedämpftem Licht ein Gemälde des Künstlers Neo Rauch, Untergang III. Es zeigt, wie aus blutroten Herz-Jesu-Wolken ein türkischer Geier pfeilschnell auf ein schutzloses Opferlamm namens Germania herabstürzt und es zu verspeisen droht. Danach steht ein Streitgespräch auf dem Programm: "Schadet die verweichlichte Kindererziehung im Berliner Prenzlberg der deutschen Männlichkeit?" Es diskutieren Eva Herman (pro) und Bernhard Bueb (pro). Wie man es besser macht, zeigt das Kindertheater "Teutonia lustig" aus Deutschwertheim mit seinem Stück Wo die schwarzen Schafe wohnen. Alice Schwarzer berichtet exklusiv für Bild.

Endlich springt der Kanzlerkandidat auf die Bühne. Thilo Sarrazin verspricht, die Unterschicht komplett abzuschaffen, um Deutschlands Untergang abzuwenden: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt und ständig kleine Kopftuchmädchen produziert." Monika Maron küsst ihn dafür auf beide Wangen und setzt ihm eine Königskrone im Staufer-Stil auf. Obwohl ihr Auftritt im transparenten Minirock zunächst Anstoß erregt hatte, wird Gabriele Pauli im dritten Wahlgang zur Kassenwartin gewählt. Der Gründungsparteitag von "Freiheit und Zukunft für Deutschland" endet mit den Klängen der Regensburger Domspatzen unter Georg Ratzinger. "Kein schöner Land in dieser Zeit / bald sind wir alle vom Schleier befreit". Als Henryk M. Broder dabei Grimassen schneidet, wird Klaus von Dohnanyi sehr wütend: "Das ist ein anständiges Lied, das kann man anständig singen."