Die Politik tut nichts, und die Banker zocken wieder – zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers ist diese Sicht der Krise populärer denn je. Populär – aber falsch.

Die Staatengemeinschaft hat eine ganze Fülle von zusätzlichen Regeln auf den Weg gebracht. Die neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel III) , Herzstück der globalen Bankenregulierung, markieren endgültig das Ende des unter Ronald Reagan und Margaret Thatcher eingeleiteten Zeitalters der großen Freiheit an den internationalen Finanzmärkten. Sie hat es den Banken ermöglicht, mit immer weniger Eigenkapital ein immer größeres Rad zu drehen. Das erfreute nicht nur die Banker, die einen wachsenden Anteil der volkswirtschaftlichen Gewinne abschöpften. Auch die Ökonomen an den Universitäten applaudierten, sagten ihre Theorien doch voraus, der wuchernde Finanzsektor werde mehr Kredite bereitstellen und Wohlstand für alle schaffen.

Die Sehnsucht nach dem ganz großen Wurf muss die Politik enttäuschen

Mehr Kredite gab es tatsächlich, doch statt Wachstum und Wohlstand kamen Spekulation und Krise . Wenn das Geld nun teurer und knapper wird, werden die Banken beim Ausleihen mehr Vorsicht walten lassen – zumal die neuen Regeln die Finanzaufsicht ermächtigen, die Kreditvergabe per Dekret zu beschränken, wenn eine Überhitzung der Wirtschaft droht.

Und wenn die Banken nun für ihre Geschäfte zusätzliches und hochwertigeres Eigenkapital vorrätig halten müssen, dann sorgt das für Stabilität. Denn je mehr eigenes Kapital eine Bank hat, desto mehr Verluste kann sie selbst tragen – desto geringer ist also die Gefahr, dass im Krisenfall der Steuerzahler einspringen muss. Zusammen mit den ebenfalls verschärften Regeln für Bonuszahlungen, den erheblichen zusätzlichen Befugnissen der Aufsicht und der Bankenabgabe erreicht die Finanzregulierung eine Dichte wie zuletzt in den Nachkriegsjahren.

Das trifft die Banken. Sie haben die Angst vor einem Konjunktureinbruch durch die neuen Regeln auch deshalb geschürt, weil sie nun strenger kontrolliert werden, weniger Gewinne ausschütten können und sich zusätzliches Kapital besorgen müssen. Wer die Vorgaben nicht einhält – und einige Landesbanken werden sie nicht einhalten –, der muss sich einen starken Partner suchen oder den Betrieb einstellen.

So erzwingt Basel, worum sich Berlin vergebens bemüht. Die Postbank zeigt, wohin die Reise geht. Sie wurde von der Deutschen Bank übernommen, die nun fast zehn Milliarden Euro aufnimmt und damit die Kapitalpolster füllt. Derweil verabschiedet man sich heimlich vom Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent.

Das alles sei nicht genug, sagen die Kritiker – und sie haben recht. Während das Korsett für die Banken enger geschnürt wird, können Hedgefonds und andere Schattengewächse des Finanzwesens unbehelligt ihren Geschäften nachgehen. Dazu kommt, dass die großen Geldhäuser de facto Bestandsschutz genießen, weil jeder weiß, dass ihre Pleite eine neue Krise auslösen würde. Der Vorschlag, man möge sie in ihre Einzelteile zerlegen und diese der disziplinierenden Kraft des freien Marktes überlassen, ist eine liberale Wunschvorstellung. Eine moderne Volkswirtschaft braucht Großbanken.